Donnerstag, 28. März 2013

Audiophiles Low-End?

Mein SMSL SA S3 Verstärker macht's mir nicht leicht, ihn richtig toll zu finden. Einerseits weil ich mich von der Röhrentechnik doch nur schwer lösen kann, andererseits weil er so verdammt billig war. Kann so ein billiger Verstärker tatsächlich gut sein? Ich bin also immer noch nicht ganz entspannt beim Hören, auch wenn ich am Klang nichts wirklich auszusetzen habe. Bei den ersten Digitalverstärkern, die ich in den Siebzigerjahren angetestet hatte, war der Klang noch nicht auf so hohem Niveau. SONY präsentierte damals eine der ersten Class-D Endstufen auf dem Markt. Technologisch auf jeden Fall sehr beeindruckend, war's damals doch keine Kaufoption für mich gewesen.

Das folgende Bild zeigt den SONY TA-N88 von 1976, der noch mit diskreten Bauteilen vollgepackt war.




Erst ganze zwei Jahrzehnte später, gelang Dr. Adya Tripathi der Durchbruch. Sein Team im Silicon-Valley brachte einen kompletten Class-D Verstärker auf einem Mikrochip unter. Namhafte Hersteller verwendeten daraufhin die Tripath-ICs in Verstärkerteilen mit Leistungen bis zu 1kW. Obwohl die Firma längst pleite ging, werden immer noch Originalbauteile aus alten Lagerbeständen verbaut. Der Tripath-Hype in der Szene der Audio-Amateure, der bis heute andauert, kam erst viel später in Schwung.

In der Fachpublikation für Ingenieure 'IEEE-Spectrum' findet man unter der Überschrift '25 Microchips That Shook the World' (A list of some of the most innovative, intriguing, and inspiring integrated circuits) folgende Textpassage:

"Tripath Technology TA2020 AudioAmplifier (1998)
There’s a subset of audiophiles who insist that vacuum tube–based amplifiers produce the best sound and always will. So when some in the audio community claimed that a solid-state class-D amp concocted by a Silicon Valley company called Tripath Technology delivered sound as warm and vibrant as tube amps, it was a big deal. Tripath’s trick was to use a 50-megahertz sampling system to drive the amplifier. The company boasted that its TA2020 performed better and cost much less than any comparable solid-state amp."

Class-T® bezeichnet also keine grundlegend neue Verstärkerklasse, sondern es ist die geschützte Bezeichnung für eine proprietäre Class-D Architektur. Auf besagtem Chip werkelt ein Signalprozessor mit proaktiven und adaptiven Algorithmen. Man macht sich die hohe Schaltfrequenz zunutze, um Fehler zu korrigieren, bevor sie hörbar werden. Eingangssignal und Feedback vom Ausgang bestimmen, wie das Signal kodiert wird. Man versucht die Klangqualität mit einem robusten Regelsystem unter allen Umständen aufrecht zu erhalten. Ungleichheiten der Feldeffekt Transistoren in der Ausgangsstufe werden in gewissen Grenzen genauso ausgeglichen, wie Unsauberkeiten auf der Versorgungsspannung. Das sind alles Funktionen, die normalerweise zusätzliche Entwicklungsarbeit und Produktionskosten in der Peripherie verursachen.

Freitag, 22. März 2013

Ausstellungstipp Karlsruhe

Unbedingt sehenswert: Leiko Ikemura "i-migration" in der kunsthalle-karlsruhe.de

Bei der Eröffnung der Ausstellung erlebten wir wieder einmal Prof. Isao Nakamura, den besten Perkussionisten von Karlsruhe, bei einer hinreißenden Performance.

(Toshio Hosokawa : SEN VI for percussion, Isao Nakamura : Improvisation for exhibition)
 

Mittwoch, 13. März 2013

Literaturempfehlung

Zwei Neuzugänge für die Hausbibliothek:

Ilija Trojanow begegneten wir heuer schon zum zweiten Mal im Künstlerhaus Edenkoben. Sein großartiger Roman 'Der Weltensammler' gehört ebenfalls zu meinen Lieblingsbüchern. Er war 2006 erschienen und stand monatelang auf den Bestsellerlisten.
Eistau erzählt von einer Reise in die Antarktis, die ein tragisches Ende findet. Ilija Trojanow hat damit einen zutiefst poetischen Roman über die Erhabenheit der Natur und die Gefährdung unserer Welt geschrieben.
Die Lesung zu Eistau war übrigens gar keine Lesung im üblichen Sinn, denn der Autor trug lange Textpassagen auswendig vor, unterbrochen von konzertanten Einspielungen von seinem Smartphone. Wir hörten Stücke des südafrikanischen Komponisten Hans Huyssen, die dieser für das Buch geschrieben hatte - eine sehr interessante Literatur-Performance in einer ganz neuen Form.



Ilija Trojanow am vergangenen Sonntag auf der Bühne des Künstlerhauses Edenkoben.

Kritisieren muss man nur die Moderation an diesem Tag, die schlecht vorbereitet und lustlos wirkte. Und dann hatte auch noch der Haustechniker vergessen, die Bühnenscheinwerfer einzuschalten. Das Künstlerhaus hat wirklich schon bessere Tage gesehen.

Das Buch von Eva Menasse hatte ich mir zum Geburtstag gewünscht, nachden ich ein Video von ihr auf ZEIT-Online gesehen hatte. Die ZEIT schreibt vom "Glück der Lektüre": Eva Menasse schreibt kristallklare Prosa über die Vergeblichkeit des sehnsuchtsvollen Miteinanders – große Literatur!


Montag, 11. März 2013

Markenkunde

Merkel will's, keiner braucht's, keiner zahlt's.


Das Logo der Stuttgarter Bürgerbewegung gegen Stuttgart 21 ist zum Markenzeichen für Murks made in Germany geworden. Es wurde außerdem zum Zeichen für Machtmissbrauch in Politik und Wirtschaft.

Mittwoch, 6. März 2013

Qualitätskontrolle

Bevor ich mich traute, meinen neuen T-Amp in Betrieb zu nehmen, habe ich erst einmal überprüft, ob nicht DC am Ausgang anliegt, der die Lautsprecher unnötig belastet. Dies war aber nicht der Fall, der DC-Offset war nur gering, in der Größenordnung von 10mV. Mit den beiden Trimm-Potis, vorn auf der Platine, lässt sich die Ausgangsspannung genau auf Null stellen. Jetzt kann's dann losgehen...


Freitag, 1. März 2013

Weniger, aber besser*



Photo credit: miniDSP

Wer meine alte Analogue-Audio-Website kannte, der weiß von meinem Spaß an puristischen DIY-Designs. Diese Design-Philosophie möchte ich ins Digitale übertragen, denn auch auf der Spielwiese der Computer-Audiophilen gibt es genug Möglichkeiten, sich sportlich einzubringen. Ich finde beispielsweise das Konzept des 'Direct Digital Amp' sehr spannend. Diese Technologie sorgt dafür, dass ein digital aufgezeichnetes Musiksignal auf seinem gesamten Weg durch ein HiFi-System bis zur Ausgabe im Lautsprecher digital bleibt. Das bedeutet, dass es weitestgehend unverfälscht bleibt und damit eine bisher unerreichte Klangqualität ermöglicht.

Ein DDX-Amp wird mit einem PCM-Signal (Pulse Code Modulation) gespeist, das in PWM (Pulse Width Modulation) weiterverarbeitet wird. Die Digital/Analog-Wandlung erfolgt dabei erst in der allerletzten Schalt-Verstärkerstufe, mittels eines ganz einfachen Filters. Es gibt leider so gut wie keine Digitalverstärker zu kaufen, die dieses Konzept konsequent umsetzen und dabei auf die Kompatibilität mit der herkömmlichen Analogtechnik verzichten. Meist hat man es mit Mischformen zu tun, die diverse I/O- und DSP-Zusatzfunktionen beinhalten.

Bis jetzt fand ich erst ein einziges Produkt, das meinen Vorstellungen ungefähr entspricht: ein DDX-Stereo-Verstärkermodul mit I2S Input (Inter-IC Sound Interface) der Firma miniDSP. So ein Modul könnte ich direkt an den I2S-Abgriff an meinem Musiland DAC anschließen, wie im vorigen Posting erwähnt.

* Zitat: Dieter Rams