Sonntag, 21. Dezember 2014

Magia fortepianu, magia świąt

(Polnisch für: Piano Magie, Weihnachtszauber.)

Heute Abend besuchten wir ein Konzert auf der polnischen Seite von Görlitz (Zgorzelec) im Dom Kultury. Von der Einladung in Polnisch hatte ich nur soviel verstanden, dass die junge Pianistin Justyna Chmielowiec normalerweise in Paris lebt und heute ein vorweihnachtliches Konzert für die Bewohner ihrer Heimatstadt gibt. Es war ein sehr schönes Konzert in einem würdigen Rahmen. Wir applaudieren Justyna Chmielowiec.


Samstag, 20. Dezember 2014

Görlitzer Zumutungen

Ein Hoffnungsträger erweist sich als schlimmer Zyniker von rechtsaußen.

Was war los? Der Görlitzer Kaufhausinvestor Prof. Winfried Stöcker verbietet ein Benefiz-Konzert zugunsten von Flüchtlingen in seinem noch leerstehenden Konsumtempel.

In einem SZ-Interview begründet er den Schritt damit, den "Missbrauch des Asylrechts nicht unterstützen" zu wollen und äußert sich in Form von unsäglich fremdenfeindlichen Parolen und Tiraden.

Bekannte Bürger, Vertreter der Stadt und der Kirchengemeinden sind empört über die Äußerungen. Wir natürlich auch, denn wir wollen uns auch selbst weiterhin dafür einsetzen, dass sich unser Städtchen sympathisch und weltoffen entwickelt.

Der Imageschaden für Görlitz könnte kaum größer sein. Ganz hübsch, dieses Kaufhaus, aber wer will denn jetzt noch da einkaufen?


Dienstag, 16. Dezember 2014

Zeit zum Musikhören

Draußen wird's trübe, drinnen kuschelig. Der Winter ist die richtige Zeit zum Schallplatten auflegen. Aber nicht nur Weihnachtslieder, Last Christmas und Bach. Kürzlich durften wir uns aus dem Nachlass eines Musikers mit Ostbiografie bedienen, die zufällig hier bei uns im Hause anlandete. Ein wahrer Glücksfall!

Uns fiel eine sehr gepflegte und offensichtlich auch kenntnisreich zusammengestellte Klassik-Sammlung in die Hände, mit vielen interessanten LP's aus DDR-Produktion. Die meisten davon gar nicht oder nur selten gespielt. Das ist ein herrlicher Vorrat zum Hören und Studieren, der uns musikalisch gut durch die kalte Jahreszeit bringen wird.


Sonntag, 14. Dezember 2014

Spontan zitiert

"Es ist nicht zu übersehen, dass Kunst spürbar an Attraktivität eingebüßt hat. Sie erscheint immer emotionsfreier und inhaltsloser. Als 'Betriebssystem Kunst' hat sich sich im Status quo institutionalisiert ohne erkennbare Ambition, über diesen hinauszudenken." (Palolo Bianchi) 

Excerpt aus der 'Kunstzeitung' vom November 2014

Dienstag, 9. Dezember 2014

17 Tage, 17 Essen

So heißt eine wunderbare Aktion des Willkommensbündnis Görlitz, die auf eine Idee des Autors und Kommunikationsberaters Axel Krüger zurückgeht. Erst wollte er nur mal abends ein paar Freunde privat in einem Altstadtlokal bekochen und Flüchtlinge dazu einladen, doch dann fanden sich plötzlich viele liebe Menschen die mitmachen wollten. Am Ende wurden siebzehn Tage einer kulinarischen Weltreise mit internationaler Küche daraus. Man konnte sich auf zweierlei Weisen beteiligen: Entweder als Koch, oder als geladener Gast und Spendengeber. Die Asylanten-Familien waren herzlich eingeladen, am gemeinsamen Kochen und Essen teilzunehmen und die Spendenerlöse werden ihnen zugute kommen.

Am Montag ließen wir uns griechische Mousakas, Fleischspieße vom Grill und Zaziki schmecken, zum Nachtisch gab es süße französische Crêpes. 

Bildnachweis: Screenshot (c) mdr Fernsehen Sachsen, mit frdl. Erlaubnis

Die Stadt Görlitz wird etwa 250 Flüchtlinge aufnehmen. Es sind ausschließlich Familien, viele mit Kindern, die in der Stadt integriert und umfänglich unterstützt werden sollen.


Donnerstag, 4. Dezember 2014

Berlintour - politisch

Diesmal waren wir einer Einladung des Bundespresseamtes gefolgt und besuchten zusammen mit einer Gruppe von Jugendlichen den Reichstag, mehrere Museen und Gedenkstätten. Wir nahmen teil an einer Fragestunde mit einem jungen Bundestagsabgeordneten und erfuhren danach in der Gedenkstätte Deutscher Widerstand ein Update zum Thema Zivilcourage bei einem didaktisch sehr beeindruckenden Vortrag. Daran schloss sich ein Aufenthalt in einem angenehmen Hotel an und anderntags eine schöne Tour durch die Stadtmitte wobei wir auch das Jüdische Museum und das Berlin Wall Memorial besuchten. Wir lieben Berlin!
































Freitag, 21. November 2014

Design als Kunst der Reduktion

Dieser Klassiker war schon in meinen Kindertagen unverzichtbares Küchenutensil. Das war in einer materiell bescheideneren Dekade noch vor dem Deutschen Wirtschaftswunder. Der heutige Konsumwahnsinn war damals nicht abzusehen.

Es gibt für mich aber auch heute noch keinen besseren Kartoffelschäler. Grad' kauften wir uns wieder einen im Bauhaus-Shop in Berlin und freuen uns an der nachhaltig schönen Form.


Donnerstag, 20. November 2014

Kontrastprogramm

Bauhaus Design und Beautiful People gucken, schön japanisch Essen, Galeriebesuch 'Neue Chinesische Malerei', Einkaufsbummel, Nachtspaziergang und Absacker im Lichtermeer - wir haben unseren Berlin-Trip sehr genossen. Diesmal bewegten wir uns im Stadtteil Charlottenburg. In einer Woche sind wir zufällig schon wieder in Berlin-Mitte unterwegs, im Regierungsviertel.
Von unserer geruhsamen Operationsbasis Görlitz aus gesehen, liegen vier spannende Kulturmetropolen im näheren Aktionsradius, mit jeweils ganz eigenem Charakter: Berlin, Dresden, Wrocław und Praha.






Montag, 17. November 2014

'Sacre', Berlin - grandios verpeilt

Es war nicht ganz einfach gewesen, für dieses moderne Tanzstück überhaupt noch zwei Karten zu bekommen. Die Inszenierungen von Sascha Waltz sind immer schon Monate vorher ausgebucht.

Oh ja, es hätte das Highlight unseres Wochenend-Trips nach Berlin sein sollen! Hätten wir nur nicht übersehen, dass sonntags die Vorstellungen schon um 18 Uhr beginnen. Als wir mit zwei Stunden Verspätung im Schillertheater aufliefen, bekamen wir nur noch etwas vom brausenden Schlussbeifall im Foyer mit, bevor wir ziemlich geknickt weiterzogen und den Abend noch irgendwie zu retten versuchten.


Freitag, 14. November 2014

Pflichtlektüre

Das  schmale Büchlein ist ein Muss für jeden, der sich für Neue Musik im Wandel der Zeit interessiert - intellektuell anspruchsvoll, inhaltlich dicht gepackt und dennoch gut lesbar.

Ich finde den Versuch von Harry Lehmann, die Veränderungen in der Szene der Neuen Musik mit einem dezidiert philosophischen Ansatz zu betrachten sehr bemerkenswert. Mir hilft es bei meinen eigenen Überlegungen. Zudem werden Konzepte und Künstler erwähnt, die ich noch nicht kannte. Mit meinen eigenen Projekten und mit jenen befreundeter Komponisten, sehe ich mich als Teil der Prozesse, die in dem Buch beschrieben werden.

Wie ich inzwischen feststellte, bot das Buch reichlich Anlass zu Kontroversen und es gab auch Verrisse. Ich halte das für völlig normal. Jemand stellt eine These auf und einige widersprechen ihr komplett oder Teilen davon. Aber die These gibt wertvolle Denkanstöße. Das Buch, auf das ich durch eine Aufführung in Hellerau aufmerksam geworden bin, habe ich mit Gewinn gelesen. Siehe auch meine Notiz vom 19-okt-2014

Mittwoch, 12. November 2014

Querverweis

Zufällig fand ich über einen untergeordneten Link beim Stöbern in der Wochenzeitung 'DIE ZEIT' zur Homepage der Künstlerin Katie Paterson und dort wiederum ein wunderbares Konzeptkunstprojekt. Es hat mir von der Idee her so gut gefallen, dass ich um Erlaubnis gebeten habe, es hier im Blog zu verlinken.

Ein Plattenspieler, der sich synchron mit der Welt dreht:  katiepaterson.org/worldturns

Bildnachweis: Prepared record player. Installation view James Cohan Gallery, New York, 2011. Photo © MJC, 2011, Courtesy of James Cohan Gallery, New York 

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Die Idee dieser extremen Zeitdehnung erinnert mich nicht zuletzt an die Aufführung des Stücks ORGAN²/ASLSP (as slow as possible) von John Cage, die wir schon einmal in Halberstadt besucht haben. Kontext: lebong.de/blog12/ff/cage   Foto: Johannes LeBong


Dienstag, 11. November 2014

Bürgerbeteiligung - echt jetzt?

Unter dem Motto „MEINE STADT.KULTUR“ durften sich die GörlitzerInnen auf einem quadratischen Stück Zeichenkarton kreativ austoben, propagiert als Mittel der Bürgerbeteiligung an der Kulturentwicklungsplanung:


In der Städtischen Galerie Brüderstraße wird derzeit eine Auswahl von etwa vierzig Arbeiten präsentiert. Während meine Frau brav mit zwei Photoalben zum Durchblättern die bösen Schlaglöcher und Lücken des vielbeworbenen 'Oder-Neiße-Radwegs' im Bereich von Görlitz dokumentiert und kommentiert hat, bevorzugte der Künstler Bernhard Kremser die Metaebene und stellte zunächst die Grundsatzfrage.

Schade, dass mir derart feine Ironie nicht selbst eingefallen ist, denn ich stehe solchen Aktionen durchaus kritisch gegenüber in Bezug auf ihre Wirksamkeit im Entscheidungsprozess.

Samstag, 8. November 2014

Blog paradox

Immer dann, wenn wir viel erleben, worüber es sich eigentlich zu berichten lohnte, gibt es wenig davon im Blog.  Mir fehlt in solchen Zeiten die Muße am Bildschirm. 

Apropos 'Muße': Heute genossen wir die strahlende Novembersonne in unserem Lieblingscafé 'Gloria' am Görlitzer Untermarkt. Ganz vorne unter den alten Arkaden haben wir schon unseren Stammplatz gefunden. Das Café ist geschmackvoll im klassischen Pariser Stil eingerichtet. Man serviert dort unter anderem leckere Tarte flambée, in einer tollen Qualität, die wir sonst nur aus dem Elsass kennen. Auch der Espresso ist sehr gut.

Freitag, 7. November 2014

Rückblick 6. November - Neue Musik in Dresden

Gestern besuchten wir zum ersten Mal ein Konzert der Hochschule für Musik - hfmdd.de - am Wettiner Platz. Der Konzertsaal befindet sich in einem modernen Glas- und Betonbau, der an diesem trüben Novemberabend in einladend freundlichem Licht erstrahlte. Wir werden in der nächsten Zeit bestimmt noch öfter da hinfahren, auch wenn es mit dem Auto über eine Stunde dauert. Wir wünschen uns, dass sich auch in diesem neuen Umfeld wieder nette Bekanntschaften mit den Protagonisten und Gleichgesinnten ergeben werden.
So bequem wie in Karlsruhe haben wir es hier aber nicht. Dort reichten uns gerade mal 15 Minuten mit dem Fahrrad, um eine Veranstaltung der HfM KA zu besuchen. Zum Zentrum für Kunst und Medientechnologie - zkm.de - waren es sogar nur 5 Minuten.

Wir hörten: Wroclav – Köln – Essen – Dresden
Vier Positionen elektroakustischer Musik, vorgetragen vom Sound Factory Orchestra Wroclaw unter der Leitung von Robert Kurdybacha.  soundfactoryorchestra.com
 
In einer fortgesetzten Kooperationsreihe der Musikhochschulen werden überwiegend elektroakustische Arbeiten von Dozenten vorgestellt. Das gestrige Konzert bot einen interessanten Einblick in aktuelle Positionen elektroakustischen Komponierens.

Das Programm:
  • Pawel Hendrich: „Drovorb" für Klarinette, Klavier, Violine, Viola, Violoncello und Computer
  • Franz Martin Olbrisch: „coupures de temps…“ für Flöte, Klarinette, Violine, Violoncello, Drums und Live-Elektronik 
  • Michael Beil: „Exit to enter“ für Flöte, Klarinette, Drums, Klavier, Violine, Viola, Live-Video und Audiotechnik
  • Dirk Reith/Thomas Neuhaus/Günter Steinke: „Essener Trilogie“ für Ensemble, Musikinstrumente und Live-Elektronik


    Zufällig fanden wir unseren Sitzplatz neben Prof. Thomas Neuhaus, der an der Folkwang Universität der Künste in Essen lehrt. Dadurch ergab sich vor Konzertbeginn die Gelegenheit zu einem Smalltalk über Computermusik im Allgemeinen. Von ihm, Dirk Reith und Günter Steinke stammte übrigens das anspruchsvolle letzte Stück mit hybrider Musik - spannende Sache! Der Abend hat uns sehr gefallen.

    Donnerstag, 23. Oktober 2014

    Aus dem Fotoalbum

    Südlich von Görlitz qualmte zu DDR Zeiten ein großes Braunkohlekraftwerk. Heute ragt davon nur noch eine einsame Maschinenhalle in den Himmel. Sie steht auf einer ausgedehnten Brache, die gründlich kontaminiert ist.
    Der mit Stahlträgern armierte Backsteinbau ist mit allerlei großindustriellen Relikten, Turbinen, Generatoren, Transformatoren und so weiter voll gestellt. Aufgrund seiner gigantischen Größe und der schon abgerissenen Anbauten, die ihn vorher gestützt hatten, ist er statisch nicht mehr stabil. Die Maschinenhalle ist daher nur noch ausnahmsweise und unter Sicherheitsvorkehrungen zu betreten. Man muss die gewaltigen Dimensionen dieses gefährdeten Industriedenkmals mit eigenen Augen gesehen haben, wir waren jedenfalls schwer beeindruckt.


    Der Kopfbau mit dem altem Verwaltungstrakt, in dem meine Fotos entstanden, atmet noch den Geist der sozialistischen Planwirtschaft.


    Mittwoch, 22. Oktober 2014

    Mal kurz mit dem Auto raus aus der Stadt,

    frische Luft schnappen, den Blick in die Natur schweifen lassen, ein Stündchen wandern, hin und zurück.


    In Karlsruhe sind wir dazu immer nach Hohenwettersbach gefahren, exakt 10,2 km. Hier sind es auch wieder 10,2 km bis zu einer Anhöhe bei Liebstein als neuer Ausgangspunkt. Trotzdem gibt es natürlich Unterschiede. Man sieht es zum Beispiel am Himmel, wo die sonst allgegenwärtigen Kondensstreifen der Flugzeuge fehlen. Wir vermissen diese Artefakte der Zivilisation aber nicht und genießen es, auf weiter und einsamer Flur unterwegs zu sein.


    Sonntag, 19. Oktober 2014

    Wir sind außergewöhnlich Version III

    Es war ein wirklich außergewöhnlicher und lohnender Abend in Hellerau, ein 'Diskurskonzert', das in dieser Form völlig neu und überraschend für uns war.
    Eine Einführung findet sich hier: hellerau.org/wir-sind-aussergewoehnlich

    Das Setting streng reduziert: ein Tisch, zwei Stühle, ein Flügel, vor riesigen Video screens. Doch die Ruhe täuscht. Unvermittelt startet das Stück mit einer Projektion flackernder Promi-Portraits, blendet mit grellfarbigen Lichtern, tönt mit kakofonischen Soundtracks, schaltet Webvideos mit beliebigen Nachrichten über Katastrophen und Börsenkurse.

    Unterbrochen wurde die durch ihre Intensität und Dauer absichtlich nervtötende Darbietung durch ruhigere Szenen, in der eine Diskussion zwischen dem Berliner Philosophen Harry Lehmann und Kurt Biedenkopf, dem ehemaligen Ministerpräsidenten von Sachsen, auf dem Podium stattfand. Thema war unter anderem der Verlust aller kulturellen Maßstäbe bei der Beurteilung von Qualität in der Kunst, der Totalitarismus des Geldes und die Unfähigkeit der Politik, die Welt zu steuern.

    Zu Harry Lehmann möchte ich noch ergänzen, dass er zuletzt eine Musikphilosophie "Die digitale Revolution der Musik" veröffentlicht hat. Siehe auch:  harrylehmann.net/texte

    Liveszenen, von einem Sänger und einer Pianistin auf der Bühne vorgetragen, unterbrachen das Multimedia-Bombardement mit Versatzstücken der Oper oder des Pop, beziehungsweise arbeiteten sich an der Dekonstruktion dieses klassischen Kanon ab.

    Am Ende wurden alle Teilnehmer und Konzertbesucher in einen freundlichen Raum mit einer langen Tafel entlassen, zum finalen Diskurs des Abends miteinander. Erst bei diesen Gesprächen, bei Käse und Wein und beim fröhlichen Networken rundete sich die Performance ab, man entspannte sich wieder und konnte schließlich mit einem guten Gefühl nachhause gehen. Experiment gelungen, Patrick Frank, würde ich sagen - und weiterhin viel Erfolg!

    Freitag, 17. Oktober 2014

    Impressionen vom Tonlagen Festival in Dresden

    Festspielhaus Hellerau

    Ja, darum geht's

    Amateurhafte Arbeit am Klang

    Im Workshop des Tonkünstlers Alwin Weber vom circuitcircle.de

    Präpariertes Klavier

    Professionelle Arbeit am Klang

    Ensemble Recherche: ensemble-recherche.de

    Neue Musik - von jungen Komponisten genial geschrieben, von erfahrenen Top-MusikerInnen extrem gut gespielt, wir waren gebannt!

    Am Samstag geht's weiter mit 'Wir sind außergewöhnlich Version II'. Ein Diskurskonzert als deutsche Erstaufführung.

    Montag, 13. Oktober 2014

    Görlitz liest Jakob Böhme

    In Görlitz kommt man nicht umhin, sich mit diesem Philosophen und Mystiker zu befassen, der vor Urzeiten hier gelebt hat und dessen Gedankengut noch heute mit Stolz reflektiert wird. Das passt zum hiesigen intellektuellen Diskurs, den ich als rückwärtsgewandt und konservativ erlebe. Leider beschäftigt man sich in Görlitz bei Lesungen und Gesprächsrunden kaum je mit dem Zeitgeist der Moderne, auch nicht mit anspruchsvoller moderner Literatur.

    Foto: Johannes LeBong

    Da bin ich völlig anders gestrickt. Philosophen wie Peter Sloterdijk liegen mir eindeutig näher. Ich freue mich schon auf das neue Buch des genialen Worterfinders aus Karlsruhe.

    Klappentext: „Die moderne Welt wird sich als eine Zeit erweisen, in der die Wünsche durch ihre Wahrwerdung das Fürchten lehren.“

    Mittwoch, 8. Oktober 2014

    Hidden places

    Abseits ausgetretener Pfade gibt es in unserer neuen Heimat unfassbar viele beschauliche Orte zu entdecken, wenn man nur neugierig genug ist. Die Kawiarnia w Starym Młynie, ein Café im staubigen Hinterhof einer alten Mühle, liegt beispielsweise abseits vom Oder-Neiße Radweg. Im Sommer sitzt man im Freien auf groben Holzbänken und schaut auf eine polnische Autoschrauber-Werkstatt, gleich nebenan. Die rothaarige, verhalten freundliche Wirtin kocht einen ganz ausgezeichneten Kaffee, den sie in Blümchentassen serviert und kreiert fette Torten wie zu Zeiten des Wirtschaftswunders. Die farbigen Geleeschichten der Tortenstücke scheinen im Sonnenlicht wie aus sich selbst heraus zu leuchten.

    Es kommt aber noch besser: Direkt neben der alten Mühle, von einem kleinen Wäldchen mit uralten Bäumen umgeben und damit allen Blicken wirkungsvoll entzogen, befindet sich eine wahrlich grandiose, aber dennoch völlig verwaiste Wasserschlossanlage. Hat man erst einmal Verbotsschilder mit polnischer Schrift ignoriert und eine mit Stacheldraht bewehrte Absperrung an einem Waldweg überklettert, darf man sich auch nicht mehr von drohendem Hundegebell hinter dem verschlossenen Tor abschrecken lassen. Nun umwandert man das ausgedehnte Areal auf einem Dammweg, der den breiten Wassergraben begrenzt. Die Schlossanlage selbst präsentiert sich in frischem Putz, wird aber schon seit vielen Jahren von niemanden mehr genutzt. Hinter das hohe Eingangsportal gelangt man leider nicht. Besucher sind nicht willkommen. Es handelt sich um das ehemalige Freie Weltadelige Fräuleinstift Joachimstein zu Radmeritz. Der Pałac Radomierzyce galt einmal als das schönste Schloss der Oberlausitz. Heute liegt es im Dornröschenschlaf und erscheint an diesem abgelegenen und versteckten Ort geradezu unwirklich in seiner nutzlosen Existenz.

    Quelle: Wikipedia