Donnerstag, 23. Oktober 2014

Aus dem Fotoalbum

Südlich von Görlitz qualmte zu DDR Zeiten ein großes Braunkohlekraftwerk. Heute ragt davon nur noch eine einsame Maschinenhalle in den Himmel. Sie steht auf einer ausgedehnten Brache, die gründlich kontaminiert ist.
Der mit Stahlträgern armierte Backsteinbau ist mit allerlei großindustriellen Relikten, Turbinen, Generatoren, Transformatoren und so weiter voll gestellt. Aufgrund seiner gigantischen Größe und der schon abgerissenen Anbauten, die ihn vorher gestützt hatten, ist er statisch nicht mehr stabil. Die Maschinenhalle ist daher nur noch ausnahmsweise und unter Sicherheitsvorkehrungen zu betreten. Man muss die gewaltigen Dimensionen dieses gefährdeten Industriedenkmals mit eigenen Augen gesehen haben, wir waren jedenfalls schwer beeindruckt.


Der Kopfbau mit dem altem Verwaltungstrakt, in dem meine Fotos entstanden, atmet noch den Geist der sozialistischen Planwirtschaft.


Mittwoch, 22. Oktober 2014

Mal kurz mit dem Auto raus aus der Stadt,

frische Luft schnappen, den Blick in die Natur schweifen lassen, ein Stündchen wandern, hin und zurück.


In Karlsruhe sind wir dazu immer nach Hohenwettersbach gefahren, exakt 10,2 km. Hier sind es auch wieder 10,2 km bis zu einer Anhöhe bei Liebstein als neuer Ausgangspunkt. Trotzdem gibt es natürlich Unterschiede. Man sieht es zum Beispiel am Himmel, wo die sonst allgegenwärtigen Kondensstreifen der Flugzeuge fehlen. Wir vermissen diese Artefakte der Zivilisation aber nicht und genießen es, auf weiter und einsamer Flur unterwegs zu sein.


Sonntag, 19. Oktober 2014

Wir sind außergewöhnlich Version III

Es war ein wirklich außergewöhnlicher und lohnender Abend in Hellerau, ein 'Diskurskonzert', das in dieser Form völlig neu und überraschend für uns war.
Eine Einführung findet sich hier: hellerau.org/wir-sind-aussergewoehnlich

Das Setting streng reduziert: ein Tisch, zwei Stühle, ein Flügel, vor riesigen Video screens. Doch die Ruhe täuscht. Unvermittelt startet das Stück mit einer Projektion flackernder Promi-Portraits, blendet mit grellfarbigen Lichtern, tönt mit kakofonischen Soundtracks, schaltet Webvideos mit beliebigen Nachrichten über Katastrophen und Börsenkurse.

Unterbrochen wurde die durch ihre Intensität und Dauer absichtlich nervtötende Darbietung durch ruhigere Szenen, in der eine Diskussion zwischen dem Berliner Philosophen Harry Lehmann und Kurt Biedenkopf, dem ehemaligen Ministerpräsidenten von Sachsen, auf dem Podium stattfand. Thema war unter anderem der Verlust aller kulturellen Maßstäbe bei der Beurteilung von Qualität in der Kunst, der Totalitarismus des Geldes und die Unfähigkeit der Politik, die Welt zu steuern.

Zu Harry Lehmann möchte ich noch ergänzen, dass er zuletzt eine Musikphilosophie "Die digitale Revolution der Musik" veröffentlicht hat. Siehe auch:  harrylehmann.net/texte

Liveszenen, von einem Sänger und einer Pianistin auf der Bühne vorgetragen, unterbrachen das Multimedia-Bombardement mit Versatzstücken der Oper oder des Pop, beziehungsweise arbeiteten sich an der Dekonstruktion dieses klassischen Kanon ab.

Am Ende wurden alle Teilnehmer und Konzertbesucher in einen freundlichen Raum mit einer langen Tafel entlassen, zum finalen Diskurs des Abends miteinander. Erst bei diesen Gesprächen, bei Käse und Wein und beim fröhlichen Networken rundete sich die Performance ab, man entspannte sich wieder und konnte schließlich mit einem guten Gefühl nachhause gehen. Experiment gelungen, Patrick Frank, würde ich sagen - und weiterhin viel Erfolg!

Freitag, 17. Oktober 2014

Impressionen vom Tonlagen Festival in Dresden

Festspielhaus Hellerau

Ja, darum geht's

Amateurhafte Arbeit am Klang

Im Workshop des Tonkünstlers Alwin Weber vom circuitcircle.de

Präpariertes Klavier

Professionelle Arbeit am Klang

Ensemble Recherche: ensemble-recherche.de

Neue Musik - von jungen Komponisten genial geschrieben, von erfahrenen Top-MusikerInnen extrem gut gespielt, wir waren gebannt!

Am Samstag geht's weiter mit 'Wir sind außergewöhnlich Version II'. Ein Diskurskonzert als deutsche Erstaufführung.

Montag, 13. Oktober 2014

Görlitz liest Jakob Böhme

In Görlitz kommt man nicht umhin, sich mit diesem Philosophen und Mystiker zu befassen, der vor Urzeiten hier gelebt hat und dessen Gedankengut noch heute mit Stolz reflektiert wird. Das passt zum hiesigen intellektuellen Diskurs, den ich als rückwärtsgewandt und konservativ erlebe. Leider beschäftigt man sich in Görlitz bei Lesungen und Gesprächsrunden kaum je mit dem Zeitgeist der Moderne, auch nicht mit anspruchsvoller moderner Literatur.

Foto: Johannes LeBong

Da bin ich völlig anders gestrickt. Philosophen wie Peter Sloterdijk liegen mir eindeutig näher. Ich freue mich schon auf das neue Buch des genialen Worterfinders aus Karlsruhe.

Klappentext: „Die moderne Welt wird sich als eine Zeit erweisen, in der die Wünsche durch ihre Wahrwerdung das Fürchten lehren.“

Mittwoch, 8. Oktober 2014

Hidden places

Abseits ausgetretener Pfade gibt es in unserer neuen Heimat unfassbar viele beschauliche Orte zu entdecken, wenn man nur neugierig genug ist. Die Kawiarnia w Starym Młynie, ein Café im staubigen Hinterhof einer alten Mühle, liegt beispielsweise abseits vom Oder-Neiße Radweg. Im Sommer sitzt man im Freien auf groben Holzbänken und schaut auf eine polnische Autoschrauber-Werkstatt, gleich nebenan. Die rothaarige, verhalten freundliche Wirtin kocht einen ganz ausgezeichneten Kaffee, den sie in Blümchentassen serviert und kreiert fette Torten wie zu Zeiten des Wirtschaftswunders. Die farbigen Geleeschichten der Tortenstücke scheinen im Sonnenlicht wie aus sich selbst heraus zu leuchten.

Es kommt aber noch besser: Direkt neben der alten Mühle, von einem kleinen Wäldchen mit uralten Bäumen umgeben und damit allen Blicken wirkungsvoll entzogen, befindet sich eine wahrlich grandiose, aber dennoch völlig verwaiste Wasserschlossanlage. Hat man erst einmal Verbotsschilder mit polnischer Schrift ignoriert und eine mit Stacheldraht bewehrte Absperrung an einem Waldweg überklettert, darf man sich auch nicht mehr von drohendem Hundegebell hinter dem verschlossenen Tor abschrecken lassen. Nun umwandert man das ausgedehnte Areal auf einem Dammweg, der den breiten Wassergraben begrenzt. Die Schlossanlage selbst präsentiert sich in frischem Putz, wird aber schon seit vielen Jahren von niemanden mehr genutzt. Hinter das hohe Eingangsportal gelangt man leider nicht. Besucher sind nicht willkommen. Es handelt sich um das ehemalige Freie Weltadelige Fräuleinstift Joachimstein zu Radmeritz. Der Pałac Radomierzyce galt einmal als das schönste Schloss der Oberlausitz. Heute liegt es im Dornröschenschlaf und erscheint an diesem abgelegenen und versteckten Ort geradezu unwirklich in seiner nutzlosen Existenz.

Quelle: Wikipedia

Dienstag, 7. Oktober 2014

Internet im Tal der Ahnungslosen

Der Titel ist natürlich satirisch gemeint, denn auch in Görlitz ist man längst nicht mehr von den Medienwelten abgeschnitten. Internet kommt aber noch immer nicht überall aus der Steckdose. Schnelles Internet und VDSL? Kann ich momentan nur davon träumen! 



Oft funktioniert die Übertragung nur holprig und zwingt mich zur Gelassenheit, die ich aber gar nicht habe. Das ist ein nerviger Standortnachteil. Musste gerade mal wieder völlig unzufrieden den Provider wechseln. Vom Regen in die Traufe? Will ich mal nicht hoffen! Momentan läuft Internet und VoIP-Telefon nicht über Kabel, sondern über eine individuelle Richtfunkstrecke zu einem Provider in unserer Nachbarschaft.

Samstag, 4. Oktober 2014

Requiem

Das Kirchenmusikleben in Görlitz ist sehr reich. Wir haben es dem unglaublich engagierten Kirchenmusikdirektor Reinhard Seeliger zu verdanken - meine Frau als Chormitglied des Bachchors und ich als begeisterter Zuhörer.



Gestern, am Tag der Deutschen Einheit, stand Franz von Suppè mit 'Missa pro defunctis' auf dem Programm. Das gut besuchte Konzert war eine Kooperation des Görlitzer Bachchors, des Oratorienchors Hoyerswerda, der Neuen Lausitzer Philharmonie und mehrerer Gesangs-Solisten. Großartig und würdig und gar nicht operettenhaft, wie man es Franz von Suppè früher nachsagte, der ja auch ein berühmter Operettenkomponist war.

Mittwoch, 1. Oktober 2014

Neuzugang für die Hausbibliothek

Einige KritikerInnen und Feuilletonisten der großen Zeitungen habe ich schon persönlich kennen und schätzen gelernt, bei Lesungen, Podiumsdiskussionen oder ähnlichen Veranstaltungen. Dazu gehören zum Beispiel Iris Radisch, Jens Jessen und Ijoma Mangold um nur mal drei Namen zu nennen. Es kommt also nicht von ungefähr, wenn ich mich gern an ihren Kritiken in der Wochenzeitung 'Die Zeit' orientiere.


Foto: Johannes LeBong

Totaloperation


Mein neuer DJ-Tech Turntable klingt jeden Tag besser. Natürlich nicht von selbst, sondern in Folge von gezielten Eingriffen. Bei der integrierten Phonovorstufe nebst USB Interface stellte sich beispielsweise die Frage: Bypass oder Total-OP. Ich habe mich für eine Amputation entschieden und dieses Modul gnadenlos entfernt.




Es hatte sich nämlich herausgestellt, dass es nicht ausreicht, den Schalter am Gerät auf 'Phono' zu stellen, denn der Anschluss bleibt dennoch mit zu hohen Kapazitäten belastet. Jetzt  habe ich mein Cinch-Kabel zum Verstärker direkt mit den dünnen Drähten verbunden, die aus dem Tonarm kommen und - siehe da - es wird ein dunkler Schleier von der Musikbühne weggezogen.

Zu guter Letzt habe ich noch den Netztrafo ausgelagert, der mechanische Schwingungen auf das Dreher-Deck übertrug. Bei voll aufgedrehtem Lautstärkeregler, die Nadel bei stehendem Antrieb auf der Schallplatte ruhend, habe ich diesen Störenfried ausgemacht. Jetzt herrscht auch hierbei Stille. Trafo und Netzschalter stecken zurzeit in einem provisorischen Gehäuse.

Die Slipmat habe ich durch eine Gummimatte ersetzt und zusätzlich außen auf den unteren Rand des Alutellers einen flachen Gummiring aufgespannt, der schon für sich allein genommen das Ringing des Tellers effektiv bedämpft.