Donnerstag, 24. Dezember 2015

Veranstaltungshinweis: Zgorzelec

Für uns ist es schon eine schöne Routine, das Neujahrskonzert, zu dem der MEETINGPOINT MUSIC MESSIAEN auch dieses Jahr wieder am 15. Januar einlädt. Immer am Jahrestag der Uraufführung im Kriegsjahr 1941 wird am historischen Ort des Entstehens Olivier Messiaens „Quartett auf das Ende der Zeit“ gespielt.

"Das 1940 in einem Gefangenenlager in Görlitz entstandene "Quatuor pour la fin du temps" ("Quartett auf das Ende der Zeit") zählt zweifellos zu den Schlüsselwerken der musikalischen Moderne. Inspiriert von der biblischen Offenbarung des Johannes, setzte Olivier Messiaen in seiner Komposition dem Schrecken des Krieges eine neue Zeitkonzeption entgegen, die nicht von Prozessualem, Zielgerichtetem bestimmt wird, sondern ihre Formen aus Wiederholungen und Symmetrien gewinnt." (Reinhard Kager)

Weitere Informationen gibt es unter: themusicpoint.net

Ich hätte mir früher nicht ausmalen können, dass ich ausgerechnet dieses Stück von Messiaen so häufig hören würde, aber es ist immer wieder lohnend, besonders wenn es von verschiedenen Orchestern gespielt wird. Zufällig kam gerade am Dienstag eine Besprechung von 'Quatuor pour la fin du temps' im BR3 Klassik Internetradio. Wie Reinhard Kager in seinem Beitrag zur Reihe "Interpretationen im Vergleich" zeigt, ist es eine besondere Herausforderung für Holzbläser. Namhafte Klarinettisten wie Eduard Brunner, Paul Meyer oder Jörg Widmann haben Aufnahmen vorgelegt, aber auch bekannte Klaviertrios wie das Trio Fontenay oder das Trio Wanderer. 
Den Beitrag findet man hier eine gewisse Zeit lang zum Nachhören: br-klassik.de/programm/...
 
Bildzitat: BR3 Homepage, O. Messiaen: Wikimedia, GNU-Lizenz für freie Dokumentation

Dienstag, 22. Dezember 2015

Lesevergnügen//Neuzugänge//Digital-Detox

Foto: Johannes LeBong

Schon eine ganze Weile lese ich wieder mehr Bücher. Und noch eine weitere Veränderung kündigt sich an. Spätestens wenn die Online-Portale der großen Zeitungen demnächst anfangen, Paywalls hochzuziehen, führt mich das wieder vom Bildschirm weg, zurück zum Print-Abo. Ich lese dann wohl in der Summe weniger, aber bestimmt mit mehr Ruhe und Konzentration. So einen sanften Digital-Entzug stelle ich mir heilsam vor.

Veranstaltungshinweis - Görlitzer ART

Ab 7. Januar präsentiert die Galerie Brüderstraße über 20 Entwürfe für „Görlitzer ART“, die große Skulpturen-Ausstellung im öffentlichen Raum. (1.04.2016 bis 9.04.2017). Gleichzeitig startet eine Abstimmung, wobei die BürgerInnen dazu aufgerufen werden, drei Entwürfe zu wählen, die zusammen mit den sieben bereits feststehenden 2016 realisiert werden.

Foto: Kulturservice Görlitz, mehr Info unter: goerlitzer-art.eu
    

Samstag, 19. Dezember 2015

Dresden-Toulouse

Nein, wir waren nicht in Südfrankreich, das liegt entfernter denn je, aber wir waren in einem Konzert des Studios für Elektronische Musik im Konzertsaal der HfMDD, das diesen Titel hatte. Es war ein sehr interessantes Konzert, von dem ich in der gebotenen Kürze im Blog nicht alle Stücke besprechen kann.

Der französische Komponist Bertrand Dubedout war u.a. anwesend und hatte ein neues Stück 'musique acousmatique' mitgebracht, mit dem er über multiple Lautsprecher einen grandiosen Klangraum aufspannte: ZAZPIAKA (2015). Bei den musique conrète Anklängen dieses Stücks fühlte ich mich auf sympathische Weise an die französische Schule erinnert, namentlich an Michel Chion und das INA-GRM in Paris. So wunderte es mich auch nicht, als ich im Gespräch nach dem Konzert erfuhr, dass Monsieur Dubedout bei Pierre Schaeffer studiert hat. Da wir auf solche Musik schon geeicht sind, hat uns das Stück gut gefallen. LeserInnen, die meinen Blog aus der Karlsruher Zeit noch kennen, werden sich vielleicht noch an diese Musikthemen erinnern.

Ich finde Konzerte mit elektronischer Musik am schönsten, wenn auch die Instrumentierung oder die Inszenierung auf der Bühne dem Auge etwas besonderes bietet. Junge MusikerInnen, die sich nur mit ernsthafter Miene über ihren Apple-Laptop beugen und vorgestanzte Sequenzen abfahren, zähle ich nicht dazu. 

Den Setup von Alberto Arroyo 'Estado interior II.2 / Innerer Zustand II.2' fand ich hingegen sehr originell. Christian Wettin brachte mit energiereichen Tönen seiner Bassklarinette einen Konzertflügel zum Nachklingen, während Alberto Arroyo mit den Pedalen die Dauer und Intensität dieser akustisch induzierten Schwingungen steuerte. Der Klavierdeckel blieb dabei zu. Damit man die lang andauernden Ausschwingvorgänge der Klaviersaiten besser hörte, wurden sie mit einem Mikrofon verstärkt - sehr schön!

Der Aufbau für das Stück 'Relay' von Kaj Duncan David war frappierend einfach in der Wahl der Mittel, aber sehr effektvoll in musikalischer und optischer Hinsicht. Drei ordinäre Glühlampen wurden über elektromechanische Relais rhythmisch ein- und ausgeschaltet, die Schaltgeräusche der schwingenden Kontaktzungen mikrofoniert und die Klänge über einen Soundprozessor umgeformt und verstärkt. Das ergab ein hämmerndes Stakkato mit wechselnden Tempi und Klangfarben, bei dem die Lampen ein tanzendes Schattenbild des Operators an die Wand des Konzertsaals warfen.

Nicht unerwähnt darf natürlich ein Stück von Franz Martin Olbrisch bleiben: 'Couleur... (2015)'. Prof. Olbrisch ist der Leiter des Bereichs Elektronische Musik an der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden. Wir hörten ein feinsinnig gespieltes, minimalistisch entworfenes Stück für Solo-Klarinette und Live-Elektronik, bei dem die meisterliche kompositorische Reife spürbar wurde.

Fotos: Johannes LeBong

Dienstag, 15. Dezember 2015

Ausstellung: Utopie-Existenz-Utopie - bis 24.01.2016

Eine Ausstellung über die Rekultivierung des Festspielhauses Hellerau in Dresden von 1990 – 2006. Es geht um ein Haus, das für meine Frau und mich zur beliebten Kulturtankstelle geworden ist - insofern haben wir an dieser Dokumentation ein besonderes Interesse.

Die Vernissage haben wir leider verpasst. Es wäre eine gute Chance gewesen, KünstlerInnen und FörderInnen zu begegnen, die sich seit den Neunzigerjahren dafür engagiert haben, aus dem damals verwahrlosten Militärgelände wieder einen glanzvollen Kunstort zu machen.


Das folgende Foto von Christine Starke aus Dresden dokumentiert den Bauzustand des Festspielhauses Hellerau nach dem Auszug der Roten Armee im Jahre 1992, als noch ein Sowjetstern am Giebel prangte.

Abb. mit freundlicher Erlaubnis von Christine Starke, starke-fotografen.com

Sonntag, 13. Dezember 2015

Eye Candy

Arrangiert von einem Freund aus Karlsruhe.


Photos credit: Jürgen B.


Montag, 7. Dezember 2015

Empfehlenswertes aus dem Görlitzer Kulturkalender

Der Berliner Skulpturenfund - 'Entartete Kunst', die 2010 bei Bauarbeiten vor dem Roten Rathaus im Bombenschutt gefunden wurde. Diese fraglos großartige Ausstellung, die man eher in den Museen der Metropolen verorten würde, ist vom 04.12.2015 - 31.05.2016 im Kaisertrutz im Rahmen der Görlitzer 'Galerie der Moderne' zu sehen. Bei der Eröffnung sprach u.a. Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz.


Skulptur 'Die Tänzerin' von Marg Moll in der aktuellen Ausstellung in Görlitz. 

Im selben Haus findet bis zum 31.1.2016 auch noch die Sonderausstellung 'Inge zu Fuß zur Arbeit' statt. Eine konzeptionell und medial vielschichtige Werkschau des Künstlers Markus Draper, über deren Hintergründe und noch anstehende Programmpunkte man sich hier informieren kann: 


Mich interessiert insbesondere auch die Finissage im Januar 2016, weil dabei eine Lesung mit Uwe Tellkamp stattfindet, dessen Roman 'Der Turm' ich wie ein Schulbuch über das Leben in der DDR gelesen habe.  Siehe dazu meine frühere Notiz: neuzugang-in-der-hausbibliothek
 
Fotos: Johannes LeBong

Sonntag, 29. November 2015

"Graf Öderland" - Dresden

Theaterpremiere im Aufmarschgebiet der Pegidisten. Man blickt in menschliche Abgründe, die einen erschrecken. Ein Stück, das aufwühlt. Sind die Straßen von Dresden schon verloren an ein 'Volk', dem unsere kulturellen Errungenschaften nichts mehr bedeuten?
Über die von Volker Lösch mit dem Zusatz "Wir sind das Volk" zeitgeistig umfunktionierte Fassung des Dramas von Max Frisch sollte man vielleicht erst noch etwas lesen, beispielsweise in Focus-Online.

Die schwache Vorlage von Max Frisch galt bisher als sperriges Material, bietet indes für Lösch und seinen 'Bürgerchor' eine passende Rahmenhandlung. Der Chor sagt grausige Sätze auf, die in dieser Stadt im Verlauf des letzten Jahres genau so gesagt wurden.

In einer markanten Szene stellt das Bühnenbild einen qualmenden Kohlemeiler im Wald von Öderland dar, wo arme Köhler hausen. Graf Öderland wird für sie zur Führerfigur eines Aufstandes ohne konstruktive gesellschaftliche Vision.

Auch an vielen anderen Stellen im Stück hat man den Eindruck von zügelnden Flammen im Untergrund; die geistigen Brandstifter und Aufwiegler sind auch in Dresden unterwegs. Können wir sie noch von der Gewalt abhalten?

Fotos: Johannes LeBong

P.S. Das schreibt die Neue Züricher Zeitung über Dresden:
"Dresden sieht sich selbst gern als Barockperle, zerstört und auferstanden, von aller Welt für seine Schönheit geliebt. Mittlerweile aber überlagert Pegida alles, die Bewegung belastet Beziehungen, Familien, Freundschaften; man frage sich bei Passanten, ob sie dazugehörten, sagen Dresdner. Vor einem Jahr strahlte die Stadt noch selbstzufrieden im Vorweihnachtsglück, nun wirkt Dresden überreizt, unsicher, resigniert."

Freitag, 27. November 2015

Görlitz wird bunter

Eine positive Entwicklung, die wir sehr begrüßen.  Die ersten Syrischen Neubürger eröffnen neue Läden.

Den Anfang machte eine Syrische Fleischerei in der Berliner Straße. Heute eröffnete am Obermarkt das orientalische Feinkostgeschäft von Frau und Herrn Jalouk, die in ihrer Heimat Syrien beide angesehene Apotheker waren. 

Wir haben uns fest vorgenommen, öfter mal bei dem sympathischen Ehepaar auf einen Tee vorbei zu schauen. Die ersten exotischen Leckereien nahmen wir heute gleich mit.

Fotos: Johannes LeBong

Sonntag, 15. November 2015

Nous sommes unis #PeaceForParis

Wir fühlen mit den Opfern des Terrors weltweit. Sei es in Paris, Ankara, Beirut, Syrien oder im Irak... und mit den vielen Flüchtlingen, die ihre Heimat verlassen haben, um dem Terror zu entkommen.


Grafik "Symbol des Friedens für Paris" Credit: Jean Jullien

Im Übrigen unterstützen wir die Aktion „Licht an für Menschlichkeit“.

Die Landeskirche Dresden gab die Anregung dazu und wir schließen uns gern an. Alle Mitmenschen sind eingeladen, an jedem Sonntagabend ein Kerzenlicht ins Fenster zu stellen. Außerdem wird mit Postkarten und Aufklebern für Gewaltlosigkeit und ein faires Miteinander geworben.
Photo credit: christian solidarity international

Mittwoch, 11. November 2015

Vorgemerkt: Konzert im Leonhardi-Museum Dresden

trans.positions - ist eine weitere Veranstaltung der Reihe Klangnetz Dresden »An die Freunde ...«. Sie findet am 26.11.2015 im Leonhardi-Museum statt. Das ist für uns nicht nur vom Programm her spannend - ein Stück von Wolfgang Rihm wird gespielt - sondern auch vom Veranstaltungsort.

Das eigenartige, opulent verzierte Ensemble von Fachwerkhäusern des Leonhardi-Museums mit seinen Erkern, Türmchen und Skulpturen war mir früher schon im Vorbeifahren aufgefallen, als wir mit dem Auto ins Elbtal hinab kurvten.

Heute wird in dem Museum auch immer wieder moderne Kunst gezeigt, was es für uns interessant macht.

Bildquelle + mehr Info: leonhardi-museum.de

Photo credit: commons.wikimedia.org, Autor: Dr. Bernd Gross

Montag, 9. November 2015

Veranstaltungstipp: Graf Öderland / Wir sind das Volk

Das wird bestimmt keine langweilige Premiere im Staatsschauspielhaus Dresden, denn das Thema ist sozusagen mitten aus dem Leben gegriffen. Zum Glück konnten wir noch zwei Karten für den ersten Rang ergattern.

Zitat: "Die Inszenierungen von Volker Lösch orientieren sich oft an den großen Themen der Städte, in denen sie gezeigt werden – sie politisieren, sie polemisieren, sie fordern heraus zur Auseinandersetzung. In „Graf Öderland“, das für Max Frisch selbst eine zentrale Rolle in seinem Werk einnahm, bringt er einen Kessel zum Überkochen, in dem ein Gebräu aus diffuser Angst, unklarer Sehnsucht und Ignoranz brodelt – er lässt eine ganze Gesellschaft das Gleichgewicht verlieren. Volker Lösch wird Max Frischs Drama mit Texten anreichern, die er Dresdner Bürgern ablauscht, und dadurch die Ängste dieser Stadt hörbar machen" 


Foto: (c) Matthias Horn / Staatsschauspiel DD
 
Wir schätzen Volker Lösch, den wir nicht zuletzt aus Stuttgart als Mitstreiter gegen S21 kennen, für sein mutiges gesellschaftliches Engagement. Damals hatten meine Frau und ich uns ebenfalls gegen die Zerstörung des Schlossparks und für die Erhaltung des Baudenkmals 'Bonatz-Bahnhof' eingesetzt. Dieses Ziel wurde zwar nicht erreicht, aber immerhin ein Politikwechsel in der Landeshauptstadt von Baden-Württemberg.

Donnerstag, 5. November 2015

Exkursion nach Liberec

Nur knapp eine Autostunde von Görlitz entfernt liegt Liberec auf 400 Metern Seehöhe. Mit rund 100.000 Einwohnern ist es die wichtigste Stadt Nordböhmens. Schon zum Beginn des 20. Jahrhunderts war Liberec eine blühende Stadt und noch heute sieht man wunderschöne Prachtbauten als Zeugen des einstigen Reichtums.

Foto: Andrea LeBong

Um 1890 wurde das  Rathaus im Stil der Neo-Renaissance erbaut. Seine Ähnlichkeit mit dem Wiener Rathaus hat Liberec den Beinamen „Wien des Nordens“ eingebracht.

Foto: sklipekliberec.cz Abb. mit frdl. Erlaubnis von Miloš Kasal, Manager 'Radniční sklípek'

Der Rathauskeller dürfte übrigens eine der besten Adressen für eine bodenständige lokale Küche sein. Das Restaurant war erst kürzlich aufwändig restauriert worden und präsentiert sich dementsprechend appetitlich. Auch dieses Interieur erinnert mich entfernt an Wien, beispielsweise an das Café Central im Palais Ferstel.

Wir starteten unsere Tour jedoch nicht in Stadtmitte, sondern fuhren direkt zur 'Oblastní galerie v Liberci', der städtischen Galerie von Liberec, die heute im repräsentativen Gebäude des ehemaligen Stadtbades residiert. Man parkt dort übrigens kostenlos direkt vor dem Gebäude.


2014 wurde die architektonische Umgestaltung und Erweiterung des Altbaus preisgekrönt, wie man im tschechischen Architekturmagazin 'EARCH' nachlesen kann.

Foto: Petr Janžura, Abb. mit frdl. Genehmigung von Petr Janžura

Das Museum hat unsere Erwartungen übertroffen. Es ist größer und moderner  als gedacht und erstreckt sich über mehrere Etagen. Es würde Stunden und Tage dauern, wollte man die unzähligen Kunstwerke alle betrachten. Wir bewältigten die älteren Sammlungen im Schnelldurchgang und konzentrierten uns im Wesentlichen auf eine umfangreiche Ausstellung von modernem Design, wo interessante Entwürfe, industrielle Prototypen und kunsthandwerkliche Produkte von tschechischen Gestaltern gezeigt wurden. Sollten wir uns einmal wieder neu einrichten, könnten wir uns durchaus vorstellen, auch in dieser für uns originellen Richtung zu denken.


Nicht zuletzt die Abteilung mit zeitgenössischer Malerei und Objektkunst war erfreulich gut bestückt. Auch hier stießen wir auf Künstlernamen von denen wir im Westen noch nie gehört hatten.


Auf unserem Weg in die Innenstadt über die Masarykova-Straße, die streckenweise von prächtigen alten Villen gesäumt wird, nicht wenige davon in erbärmlichem Erhaltungszustand, entdeckten wir noch ein ganz süßes kleines Café-Restaurant. Es wird von jungen Leuten geführt und ist sehr zu empfehlen!



Mehr unter: mikynavkuchyni.com und facebook.com/mikynapoint 

Mit unserem ersten Besuch in Liberec ist das Thema für uns noch nicht erledigt. Wir kommen wieder. Meine Frau sogar, wie es der Zufall so will, schon in den nächsten Tagen.
Der Akademische Chor Zittau/Görlitz, in dem sie mitsingt, probt nämlich demnächst zusammen mit tschechischen Chören in Liberec für ein Konzert am 22. November in der St. Johanniskirche Zittau.










Poster: hszg.de, Fotos ohne besondere Kennzeichnung: Johannes LeBong

Mittwoch, 4. November 2015

Zur nächsten guten Espressobar...

...  müssen wir neuerdings nur noch grad' kurz die Straße hoch und um die Ecke. Beim ersten Besuch wurde ich freundlich gefragt, ob ich meinen Cappuccino mit einer kräftigeren Bohne möchte oder lieber mild. Das war ein überzeugender Einstand.

Der Laden hat aber noch mehr zu bieten als guten Café: fein-e-kost.de

Kürzlich hatte ich noch moniert, in Görlitz würde der 'Berliner Unternehmergeist' fehlen. Ich meine damit pfiffige junge Leute, die coole Cafés und Küchen aufmachen. Wie mir der Chef erzählte, kommt er aus Berlin. Alles wird gut!


Fotos: Johannes LeBong

Pfundweise Lesestoff


Bevor jetzt immer mehr ungemütliche und kühle Tage kommen, wird es Zeit, sich mit Lesestoff einzudecken. 

Meine aktuelle Titelauswahl geht auf die freundliche Beratung in der Comenius Buchhandlung Görlitz zurück.




Fotos: Johannes LeBong

Sonntag, 1. November 2015

dresdenfrankfurtdancecompany.com

The Primate Trilogy im Festspielhaus Hellerau

"Jacopo Godani präsentierte in seiner Dresdenpremiere mit der Dresden Frankfurt Dance Company drei fundamentale Kreationen, deren Choreografie – abstrakt und voll reiner Ästhetik – zum eigentlichen Hauptausdrucksmittel wird..."

Mehr lesen im offiziellen Begleittext: hellerau.org/primatetrilogy


Um es gleich vorwegzunehmen: Meine beiden tanzverliebten Begleiterinnen fanden die gestrige Aufführung im Festspielhaus Hellerau uneingeschränkt gelungen, ich selbst kam diesmal über den Modus eines bloß interessierten Zuschauers nicht hinaus.

Je avantgardistischer eine Tanzperformance angelegt ist, umso schwieriger kann es sein, sie qualitativ einzuordnen. Nach meinem Eindruck ging es Jacopo Godani darum, die Grenzen der menschenmöglichen Mechanik des Tanzes auszuloten - die Figuren extrem schnell, oft ruckartig und mit viel Energie ausgeführt, die Szenen in betont hektischen Schnitten, wie sie heute auch im Film üblich sind.

Der krachende Soundtrack, dessen Regime die Figuren folgten, erinnerte mich stark an die Filmmusik von Sci-Fi-Streifen.

Im übertragenen Sinn kamen mir die Tänzer vor wie Musikinstrumente, auf denen erweiterte Spieltechniken exerziert werden, ohne dass eine Melodie oder Kompositionsregel erkennbar ist. Mir stand kein Orientierungspunkt zur Verfügung, um mich dem Stück vom Verständnis her zu nähern.
Dennoch war es ein schöner und interessanter Abend in Hellerau, den wir noch beim Gespräch über das Erlebte an der hauseigenen Bar ausklingen ließen. Dann ging es zurück auf die nächtliche Autobahn nach Görlitz, begleitet von heftigen Windböen und herbstlich bunten Blätterwirbeln im Scheinwerferlicht.

Fotos: Johannes LeBong

Montag, 26. Oktober 2015

Junge Meister in der Galerie Brüderstraße Görlitz

Am Samstagnachmittag fand in der Galerie eine Einführung mit der Künstlerin Olga Grigorjewa zu ihrer aktuellen Ausstellung "Blaue Sonne" statt.

Bildausschnitt: Eigenes System leuchtet gelb 2015 - 100 x 70 cm - Siebdruck

Aus dem Pressetext: "Die „Blaue Sonne” von Olga Grigorjewa schließt die deutsch-polnische Ausstellungsreihe JUNGE MEISTER für das Jahr 2015 ab. Die Arbeitsweise von Grigorjewa lässt sich als „erzählerische Abstraktion” bezeichnen. In Grafiken, Installationen, Performances und Videos untersucht sie die Sprache und die Beziehungen der Formen und Materialien".

Wandobjekt im Vordergrund: Spartanisch frivol - 2015 - Stoff, Plastik, Aluminium

Die Kunst-Objekte von Olga Grigorjewa kontrastieren sehr vorteilhaft mit dem alten Gemäuer der Galerie und sollen dem Raum durchaus auch etwas Farbe und Struktur verleihen, wie die Künstlerin sagt. Ich finde die Ausstellung sehr gelungen und sehenswert. Sie geht noch bis zum 31.12.2015. Besonders würde mich freuen, wenn diese Reihe mit Gegenwartskunst, die in Görlitz immer noch unterrepräsentiert ist, in der Brüderstraße fortgeführt wird.

Im Bild: Die Kuratorin Susanne Greinke von der HFBK Dresden, Agnieszka Bormann vom Kulturservice Görlitz und die Künstlerin Olga Grigorjewa

Während die Künstlerin selbst keine Bedeutungen ihrer Werke vorbestimmt - Namen vergibt sie nur als Ordnungskriterium - machten sich die BesucherInnen Gedanken darüber, was die Bilder wohl darstellen könnten. 


Einmal mehr zeigte sich bei dieser Gelegenheit, dass die Bildrezeption sehr individuell funktioniert. Beim oben stehenden Bild meinte etwa eine ältere Dame, einen Hund am Fenster liegend zu erkennen. Ein anderer Besucher sprach vom Abbild einer Eisdiele, wobei er auf die typische Form einer Markise abhob, jemand anderes wiederum entdeckte in der Grafik geheime Zeichensymbole, usw. 

Selbst kramte ich in anderen Denkschubladen. Das Punktraster in Pink des Bildhintergrunds ließ mich an eine Technik des amerikanischen Pop-Malers Roy Lichtenstein denken, der Duktus der schwarzen Linien erinnerte mich dagegen an Bilder russischer Konstruktivisten.

Bei der Betrachtung der rosafarbenen Vorhänge des Wandobjekts 'Spartanisch frivol' kam mir übrigens der US-Popkünstler Tom Wesselmann in den Sinn, mit seinen 'bathtub' Materialcollagen. Durch die Ausstattung mit realen Gegenständen stellen seine Wandobjekte oftmals eine Mischung aus Malerei und Raumplastik dar.



Fotos: Johannes LeBong, Abb. der Kunstwerke mit freundlicher Genehmigung von Olga Grigorjewa

Sonntag, 25. Oktober 2015

Gut vernetzt mit dem Klangnetzwerk Dresden

Gestern besuchten wir ein Konzert mit dem Ensemble 'Sinfonietta Dresden'. Nach Rihm und Lachenmann in Dresden war es für uns bereits das zweite Konzert aus der Reihe 'An die Freunde...'. Es fand diesmal im Kulturzentrum des Meetingpoint Music Messiaen im Zgorzelec statt. So wie wir es uns schon länger gewünscht hatten, dehnt sich unser musikalischer Horizont weiter in Richtung Osteuropa aus. 

Mit den Werken der beiden rumänischen Komponistinnen Doina Rotaru (Bukarest) und Violeta Dinescu (Oldenburg), die beide anwesend waren, erlebten wir eine farbenreiche Ausprägung 'Neuer Musik'. Nach unserem Empfinden musikalisch sehr eingängig, weil man die Traditionen der Klassik mit avantgardistischen Mitteln und Formen zwar bricht, ihr aber im Wesen verbunden bleibt. 

Zum abwechslungsreichen Programm gehörten zwei Uraufführungen. Besonders beeindruckte der rumänische Klarinettist Emil Visenescu, dessen Darbietung beim Stück 'Fragile II' von höchster Intensität und Ausdrucksstärke war. Judith Kubitz imponierte als Dirigentin. Sie ist übrigens auch an der Philharmonie Baden-Baden tätig. Es hat uns und unserer Begleitung viel Freunde gemacht, die 'Sinfonietta Dresden' in diesem intimen Rahmen zu erleben. Ein glücklicher Abend!

Kontext-Link: sinfonietta-dresden.de

Fotos: Johannes LeBong

Montag, 19. Oktober 2015

Görliwood mal wieder

Foto: Johannes LeBong

Ehrlich gesagt ist mir die Stadt leergefegt und aufgeräumt am liebsten. Das macht für mich den Charme der kühleren Jahreszeit aus, wo man nicht mehr wie im Sommer im Straßencafé sitzen kann. An manchen Winterabenden läuft man eine halbe Stunde durch einsame Gassen, ohne einer Menschenseele zu begegnen.
Es ist sehr still, die Beleuchtung schummrig und man hat einen sternenklaren Himmel über sich. Görlitz wirkt dann sehr friedlich und entrückt.


Samstag, 17. Oktober 2015

Im Kunstverein Heilbronn

Die Notiz müsste ich streng genommen zurückdatieren, denn es ist schon wieder  ein paar Tage her, dass wir in dieser Gegend vorbeischauten.


Eigentlich wollten wir uns nur mal die Kunsthalle Vogelmann anschauen. Dass auch der Kunstverein Heilbronn hier ausstellt, war eine nette Überraschung, denn vom Thema her, war die aktuelle Ausstellung 'Psychoprosa' mit dem Künstler Thomas Feuerstein genau mein Ding. Nicht zuletzt hat das mit meiner beruflichen Vergangenheit zu tun, die in den Sechzigerjahren in den Labors des Anorganisch Chemischen Instituts der Universität Heidelberg begann.

Thomas Feuerstein bespielt Kunsträume, in denen sich Laborküche, Skulptur, Schläuche, Kühlschränke, Zeichnungen, Fotografien, Malerei, mit Netzkunst mischen. 

So fand ich mir bestens vertraute Laborutensilien von Thomas Feuerstein überraschend in den Rang der Kunst erhoben, indem er ihren Objektcharakter besonders betont und sie in einen neuen konzeptuellen Kontext stellt.

Thomas Feuerstein, 1968 in Innsbruck geboren, lebt heute in Wien. Er verbindet auf eindrucksvolle Weise in seinen Arbeiten die Kunst mit wissenschaftlicher Versuchsanordnung.

Die menschenleeren Ausstellungshallen in Heilbronn wirken übrigens nicht statisch ruhend, sondern wie geisterhaft belebt. Hier und da öffnen und schließen sich Kühlschranktüren, läuft eine Chemiepumpe, blubbert weißer Schleim aus undichten Glasventilen; in weitverzweigten Schlauchsystemen, in Retorten und Bioreaktoren wachsen Algen und Pilze.

In der Ausstellung hatte ich so etwas wie ein Déjà-vu: Mir kam 'Die Honigpumpe am Arbeitsplatz' von Joseph Beuys in den Sinn, die ich auf der Documenta 1977 in Kassel gesehen hatte. Das war ein über mehrere Räume verteiltes Schlauchsystem, in welchem 150 kg Honig von einer Pumpe in Umlauf gebracht wurden.

Fotos: J. LeBong, Abb. der Werke mit frdl. Erlaubnis von ATELIER THOMAS FEUERSTEIN