Dienstag, 28. Juli 2015

eat art // mixed media // Im Banne des Seepferdchens

Die drei Seepferdchen aus Salzgebäck stammen noch aus dem Jahr 2001, als meine Frau eine Kunstausstellung mit der Malerin Susanna Iris Weber in unseren eigenen Karlsruher Räumen kuratiert hatte. Der Titel der Ausstellung hieß damals 'Im Banne des Seepferdchens'.

Susanna malt typischerweise Riesenformate im Stil der Jungen-Wilden, sie hat u.a. bei Baselitz studiert und war Meisterschülerin von Kaminski. Ich erinnere mich noch gern an unsere Vernissage mit etwa 150 Gästen an einem extrem heißen Sommertag. Das Seepferdchen-Gebäck war damals knuspriges Beiwerk des Buffets gewesen, von der Künstlerin eigenhändig gebacken. Dass diese drei Überbleibsel in unserem Haushalt so lange unbeschädigt überdauern würden, hätte ich nicht gedacht. 

Um diesen Mini-Skulpturen würdige Form und Schutz zu geben, habe ich nun ein Mixed-Media-Objekt daraus gemacht - ein kleines Kästchen mit den Abmessungen 26x26x6cm, in dem sich hinter einer Glasscheibe außer dem getrockneten Gebäck noch ein mit weißer Tinte beschriftetes Passepartout befindet. Es rahmt ein Film-Dia, das ein Gemälde aus dieser Zeit zeigt, mit der Aufschrift: 'Der Lenz hat Rosen angezündet'.

Freitag, 24. Juli 2015

Neu aus der örtlichen Buchhandlung

(Ich habe mir mal wieder vorgenommen, weniger leichtfertig bei Amazon einzukaufen)

Foto: Johannes LeBong

John Steinbeck sagte einmal, dass der Nobelpreis der Todeskuss für den Schriftsteller sei. Patrick Modiano, der frisch gekürte Nobelpreisträger für Literatur sieht es selber nicht so dramatisch, wie ich in einem Interview von ihm hörte. Bisher hat er 28 Romane veröffentlicht. Modiano, knapp 5 Jahre älter als ich, reflektiert in dem schmalen Büchlein 'Damit du dich im Viertel nicht verirrst' sein Paris vor der Jahrhundertwende.

Ich dachte unwillkürlich zurück an meine jüngeren Jahre, als Paris für mich ein Sehnsuchtsort mit einer magischen Ausstrahlung war, ein Ziel vieler Reisen, mit einem Charme, der heute nicht mehr spürbar ist. Nun freue ich mich schon darauf, mit dem Roman einzutauchen in diese Schattenwelt.

Dienstag, 21. Juli 2015

ZEN-Moment

...kreiert von meiner Frau.

Foto: Johannes LeBong

In der klassischen japanischen Tradition des Ikebana wird die Blume als etwas aufgefasst, das vom Feld hereingenommen wird, wo es die Erde atmete und nun vom Leben abgeschnitten ist.  Indem man den letzten Abglanz ihres Lebens im Raum spürbar werden lässt, tritt dessen Wert umso deutlicher hervor. Japaner empfinden die Flüchtigkeit des Vergehenden als schön. Wir können uns gut in diese Betrachtungsweise einfühlen.

Sonntag, 19. Juli 2015

Günter Tiedeken + Henry Puchert Glocken für/des Alexander Block

Als wir die Einladung zur aktuellen Ausstellung des Oberlausitzer Kunstvereins Görlitz aus den Briefkasten zogen, zeigte schon der erste Blick auf die Drucksachen, dass wir dort zwei wirklich großartige Künstler aus dem Osten sehen würden. 

Und so war es dann auch. Speziell die frühen Gemälde von Günter Tiedeken übten auf uns einen magischen Reiz aus, weil sie eine Bedeutungsschwere vermitteln, die der heute marktbeherrschenden Kunst meistens abgeht. 

Vom Stil her erinnern sie uns an Werke des Informel. Meine Frau und ich waren uns sofort einig, dass ein Bild von Günter Tiedeken gut in unsere Sammlung passen würde.



Tatsächlich erwiesen sich beide Künstler als Intellektuelle, deren Hintergründe und Biografien uns fremd sind und die man sich erst einmal erschließen muss. Davon handelte die Rede des Kunsthistorikers Gert Claußnitzer, die allerdings durch ihre Länge und Ausführlichkeit fast schon einer Uni-Vorlesung glich. Ich fand den Vortrag zwar spannend, mühte mich sehr, konnte aber irgendwann der Informationsfülle nicht mehr folgen. Herr Claußnitzer wird mir dankenswerterweise eine Kopie des maschinengeschriebenen Redemanuskripts zuschicken.

Auch die musikalische Begleitung durch den Dresdner Cellisten Peter Koch war keineswegs nur die übliche beiläufige Pausenmusik, sondern hatte den Charakter eines veritablen Cello-Konzerts. Peter Koch spielte lange Strecken wild-exzessiv improvisierte Neue Musik, die mit der ausgestellten Kunst korrespondierte. Das war alles ganz wunderbar und interessant.  Gern wollen wir Kontakte weiter vertiefen, die sich bei einer privaten Einladung direkt nach der Ausstellung ergeben haben, wo wir auch mit Günter Tiedeken ins Gespräch kamen.

Der Zeichner, Zeichen-Setzer und Objekt-Arrangeur Henry Puchert kommt in meinem Bericht unverdientermaßen zu kurz, das hat aber nur etwas mit unserer Vorliebe für starke Malerei zu tun.
    Fotos: Johannes LeBong

    Zwischenspiel

    Die Harfenistin Katharina Müller aus Dresden und unsere Freundin Kazumi Hashimoto, hatten heute, an einem heißen Sommertag, ihre Probe für einen bevorstehenden Konzertauftritt kurzerhand ins Freie verlegt. Sie musizierten im östlichen Gewölbegang des Untermarkts, wo aufgrund der Thermik immer ein kühlendes Lüftchen weht. Die Gäste der umliegenden Cafés, die Touristen und natürlich auch wir, die wir schon vorher von diesem kleinen Konzert wussten, hatten unsere Freude daran.

    Foto: Johannes LeBong

    Samstag, 18. Juli 2015

    Peterstrasse 3, der Bürger als Mäzen

    Görlitz gehört zu jenen reizvollen Städten im Osten, in denen emanzipierte Bürger generös und selbstbewusst am kulturellen Status mitwirken. Solchem spontan-privaten Engagement ist die temporäre Galerie in der Peterstraße zu verdanken, wo bis zum 2. August drei zeitgenössische Maler aus Görlitz ins Blickfeld der Öffentlichkeit gerückt werden. Die Vernissage vom Freitag sehe ich als Erfolg, gemessen an der großen, gut gelaunten Gästeschar.


    Fotos: Johannes LeBong

    Gezeigt werden Gemälde von Claus Böhm, Herrmann Rueth und A. Neumann-Nochten.

    Freitag, 10. Juli 2015

    Kunstunterricht oder Konzert

    Auf das Gartenkonzert der Neuen pohlnischen Capelle vor der Kulisse des Dom Kultury in Zgorzelec hatte ich im Blog vor ein paar Tagen hingewiesen. Heute kann ich kurz darüber berichten. 

    Die aufgeführte Barockmusik tendierte klanglich ins rustikale, was mich an dieser Stelle nicht überraschte, ich fand sie ehrlich gespielt. Der didaktische Überbau allerdings, die Vorreden zur Historie jedes Stücks auf Deutsch und auf Polnisch wurden mir zu lang. Außerdem: Muss man das geneigte Publikum wirklich noch auf großen Textfahnen darüber belehren, dass Kunstgenuss identitätsstiftend sein kann? Die Gruppe trägt scheinbar viel theoretischen Ballast und Sendungsbewusstsein mit sich herum. Ich finde, klassische Musik kann für sich selbst sprechen - oder sie tut es eben nicht.
     
    Foto: Johannes LeBong

    Sonntag, 5. Juli 2015

    Mittwoch, 1. Juli 2015

    Landpartie, der guten Küche wegen

    Unlängst hatte ich in meinem Blog von unserem Lieblingsrestaurant in Cunewalde geschwärmt. Dessen Chefin ist inzwischen weitergezogen und betreibt nun das Restaurant im Kloster St. Marienstern nordwestlich von Bautzen. Für uns ein Anlass, dort hinzufahren. Wir speisten im kühlen Schatten eines offenen Gewölbes mit Blick auf die innere Klosteranlage und ließen die Ruhe auf uns wirken. Vom besonderen Wein gab man uns eine Flasche mit.



    Später besichtigten wir noch die nahe gelegene 'Lessingstadt' Kamenz. Meine Fotos, die ich nach malerischen Gesichtspunkten ausgewählt habe, sind selbstverständlich nicht repräsentativ für das Kamenz von heute. Man findet im Stadtbild aber noch viele solcher Relikte, die mich an die Nachkriegszeit erinnern.


    Fotos: Johannes LeBong