Montag, 28. September 2015

Sonntag, 27. September 2015

Ich denke oft an Potjomkin

... genauer, an ein Potemkinsches Dorf. Und das hat mit folgender Kuriosität zu tun: Geht man von der Görlitzer Altstadtbrücke hinüber nach Zgorzelec, wird man schon seit dem Jahr 2013 mit dieser hübschen Postkartenansicht konfrontiert:


Man blickt auf den Plac Pocztowy (dt. Postplatz). Auf den ersten Blick wirkt die Architektur wie gewachsen, es ist aber nur eine grob historisierende Kulisse, der die individuellen Schmuckelemente alter Vorbilder fehlen. Kommt man näher, schaut man in leere Fenster und findet die ganze Anlage unbelebt. Der erhobene Platz ist auch nicht zugänglich, alle Treppenstiege sind verrammelt. Vom Hörensagen weiß ich, das Grundstück gehört einem polnischen Investor mit griechischem Namen und der Platz sollte eigentlich gleich nach seiner Fertigstellung wieder ein Ort des öffentlichen Lebens sein. In die Häuser sollten zum Beispiel Cafés, Restaurants und Geschäfte einziehen. Auch der Einzug eines Hotels war zeitweise geplant.
Genau! Ich will da endlich mal in einem gemütlichen Straßencafé sitzen! Der Ausblick von dort auf die Görlitzer Altstadt-Kulisse muss einmalig schön sein.

Foto: Johannes LeBong

Eindrücke von der Aufführung der Turangalîla Sinfonie


Aus der Einführung des 'Meetingpoint Music Messiaen': "Olivier Messiaen komponierte die »Turangalîla-Sinfonie« für Soloklavier, Ondes Martenot und großes Orchester im Auftrag von Sergej Kussewitzky für das Boston Symphony Orchestra, welche am 2. Dezember 1949 unter der Leitung von Leonard Bernstein uraufgeführt wurde. Die zehnteilige Sinfonie gehört zu den suggestivsten Werken des Komponisten und mittlerweile – nach mehr als 300 Aufführungen – zum Standardrepertoire großer Orchester. Musikalisch changiert Messiaen zwischen Extremen: Süßlicher Hollywoodsound trifft auf bruitistische Härte. Dabei zeigt er sich in diesem Kollossal-Werk als Meister im Jonglieren mit Rhythmus, Klang und Farben: Eine Musik, die sehr reich an unterschiedlichsten Klangwelten ist: mal wechseln sich ruhige, melodische Passagen mit schnellen, rhythmischen ab; mal ist die Tonsprache exotisch gefärbt nach Art balinesischer Gamelan-Orchester; mal imitiert das Soloklavier Vogelstimmen. Ein besonderes Kolorit wird durch die Ondes Martenot erreicht, die eine erstaunliche Bandbreite vom zartesten Piano bis zum durchdringenden Sirenenton besitzt. Mit diesen Mitteln beschwört Messiaen ein Fantasie-Indien voller überbordender Euphorie und hemmungsloser Sinnlichkeit herauf."



Zunächst hatte ich gezögert hinzugehen, weil ich mir ein feierliches klassisches Konzert in so einem kühlen Profanbau wie der Turów Arena in Zgorzelec nicht so recht vorstellen konnte. Vor Ort ließ ich mich dann aber doch von der perfekt gespielten Aufführung mitreißen. Außerdem bin ich wirklich sehr dankbar, wenn hier in der Gegend solche verhältnismäßig anspruchsvollen Aufführungen stattfinden!

Zwar verlor sich der Klang im hohen Raum und ließ dadurch Körper vermissen, zudem wurde manche subtil gespielte Passage auch noch von einem dunklen Rauschen aus der Lüftungsanlage überdeckt, trotzdem war es mir so lieber, als mit Lautsprecher-Verstärkung. Im Übrigen habe ich die gesammelten Werke von Olivier Messiaen auch zuhause auf meinem Mediaplayer in tollen Einspielungen.


Nach dem Konzert bot sich eine Gelegenheit kurz mit dem französischen Musiker Thomas Bloch zu sprechen, der die Ondes Martenot spielte und ich konnte sein historisch interessantes Instrument fotografieren. Der Musiker lebt in Paris.

Außerhalb von Frankreich gibt es ja auch praktisch keine Tradition für das Instrument. Man kann wohl davon ausgehen, dass die meisten, die Ondes Martenot auf hohem Niveau spielen, durch die Schule von Jeanne Loriod gegangen sind, die das Ondes-Spiel bei Martenot selbst gelernt hat und seine Nachfolgerin am Conservatoire in Paris wurde. Übrigens ist das auch mit ein Grund, warum es von Messiaen so viele gute Sachen für Ondes Martenot gibt - er hat die Schwester von Jeanne Loriod geheiratet.

 - Bild Groß -

Auf dem großen Bild der Ondes Martenot sieht man den quer vor der Tastatur verlaufenden Spanndraht mit Fingerring, mit dem man durch Längsbewegungen interessante Glissando- und Vibrato-Effekte erzeugt.

Fotos : Johannes LeBong

Donnerstag, 24. September 2015

Im Probeabo:

Foto: Johannes LeBong

Eine neue philosophische Zeitschrift? Für alle, die Lust am Denken haben? Die Flughöhe der Gedanken in diesem Heft dürfte von mir aus gern entschieden höher sein!

Dienstag, 22. September 2015

Es gibt noch Karten für Samstag an der Theaterkasse Görlitz









Eine der vielen Beonderheiten dieses großorchestralen Werks: Man bekommt eine 'Ondes Martenot' zu hören. Das ist ein sehr frühes elektronisches Musikinstrument mit einem etwas gruselig-sphärischen Klang in meinen Ohren. Die Turangalîla-Symphonie habe ich schon einmal in voller Schönheit bei einer perfekten Aufführung in Karlsruhe anlässlich einer Hundertjahrfeier zu Ehren von Olivier Messiaen gehört. Weil die große Besetzung den Rahmen des Görlitzer Theaters sprengen würde, findet das Konzert in einer neuen Arena auf der polnischen Seite statt.

Photos credit:  Meetingpoint Music Messiaen

Donnerstag, 17. September 2015

Gelebte Utopie

Manchmal muss man den Menschen zeigen, was möglich ist, damit sie sich den Wandel überhaupt vorstellen können. 

Ein Tesla hängt mit seinem Ladekabel an Sonnenkollektoren auf dem Dach einer alten Scheune von Gut Pommritz. Foto: Johannes LeBong

Gestern habe ich an einer Zukunftskonferenz teilgenommen, wo es um die Entwicklung neuer, nachhaltiger Wirtschaftsformen geht: Mehr Ausgleich, Gemeinwohl, Lebensglück...

Der Kapitalismus ist wirklich schon lange aus dem Ruder gelaufen. Teilnehmer auf dem Podium waren u.a. Prof. Kurt Biedenkopf, der ehemalige Ministerpräsidenten von Sachsen, daneben Heinrich Kronbichler, ein erfolgreicher Unternehmer, der sich seiner sozialen Verantwortung stellen will, der Philosoph Mike Hosang und andere Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Lehre. Key-Note-Redner war Christian Felber, Initiator der Internationalen Gemeinwohlinitiative. Er überzeugte mit einem absolut mitreißenden Vortrag, bei dem deutlich wurde, dass nicht nur bereits hochentwickelte und stringent durchdachte neue Gesellschaftsmodelle existieren, sondern auch Strategien, diese zu implementieren.

Die Konferenz fand auf dem LebensGut Pommritz statt, wo nach der Wende von Rudolf Bahro ein Experiment für neue Lebensformen initiiert worden war.

Das vegane Abendbuffet kam aus der Küche von Spitzenkoch Torsten Wolf.

Dienstag, 15. September 2015

Neu in unserer Musikbibliothek

Musik von Arvo Pärt

Zwei weitere LPs von ihm, die ich bestellt habe, sind noch unterwegs. Auflegen ist einfach feierlicher als streamen.

Samstag, 5. September 2015

Ein perfekter Chor mit Klassik und Neuer Komposition

Die CAPELLA CRACOVIENSIS hatte heute ihren Auftritt im Meetingpoint Music Messiaen, Zgorzelec: Schöne Stimmen, spannendes und komplexes Material, präziser Vortrag, am Ende stehender Applaus. Es war ein absolut lohnender Chorabend!



Olivier MESSIAEN Cinq rechants
Thomas STOLTZER Missa Kyrie Summum
Arnold MENDELSSOHN Passionsgesang
Sławomir KUPCZAK white over red
Knut NYSTEDT Psalm 77

Bildquelle: Musicpoint music messiaen (c)

CAPELLA CRACOVIENSIS
Alddona Bartnik Michalina Bienkiewicz Joanna Radziszewska sopran | soprano
Łukasz Dulewicz Ilona Szczepańska Bartosz Rajpold alt | alto
Piotr Szewczyk Szczepan Kosior Karol Kusz tenor
Radosław Rzepecki Piotr Zawistowski Michał Dembiński bas | bass

Ralf Sochaczewsky dyrygent | conductor    capellacracoviensis.pl

Fotos: Johannes LeBong