Montag, 25. Januar 2016

Wochenend-Nachlese

Samstag: Impressionen von der Vernissage Lisa Pahlke "Falter"
Ausstellung in der Galerie Brüderstrasse Görlitz 23.01.2016 bis 28.03.2016 


In der Reihe JUNGE MEISTER sind mit "Falter" ungewöhnliche Filzstiftzeichnungen von Lisa Pahlke zu sehen. Sie ist Absolventin und Meisterschülerin an der Hochschule für Bildende Künste Dresden.


Photo credit: Kulturservice Görlitz

"Lisa Pahlke zeichnet, als würde sie weben. Mit einem schwarzen Filzstift fügt sie Linie an Linie, so dicht, dass sich deren Ränder überlagern und sich so dunklere an hellere Linien reihen. Aus diesem Lineament webt sie flächige Gebilde" (Excerpt aus der Einführung von Susanne Greinke, Dresden)

Sonntag: Impressionen vom Preisträgerkonzert '5. Ensemblewettbewerb der HfM Dresden'. Wie nicht anders zu erwarten, war diese Konzertmatinee wieder einmal ein echtes musikalisches Highlight. Gespielt wurde Ravel, Schumann, Poulenc, Schubert und mit Einojuhani Rautavaara ein uns bisher unbekannter finnischer Komponist. Der Ausflug nach Dresden hat sich gelohnt.



Kleine Beobachtung am Rande: Einer der Pianisten verwendete keine Notenblätter mehr, stattdessen schimmerte auf dem Notenpult am Steinway der Touchscreen eines Tablet-PC.

Fotos: Johannes LeBong

Freitag, 22. Januar 2016

Musikalische Schätze mit Erinnerungswert

Als ich gestern im Blog etwas über eine ältere Generation von Pionieren im Bereich der Neuen Musik schrieb, kam mir Prof. Hiroaki Minami in den Sinn, der inzwischen auch schon über Achtzig ist. Er hat die Japanische Gesellschaft für Elektronische Musik gegründet und war Lehrer an der Staatlichen Hochschule für Musik und Kunst in Tokio, ist aber in Europa kaum bekannt. Minami benutzte anfangs Tonbandgeräte und selbst gebaute analoge Synthesizer für seine Kompositionen, schuf sehr frühe, wunderschöne Computermusik, komponierte aber auch Stücke in klassischem Stil. Meine Frau und ich fühlen uns mit ihm und seiner Musik besonders verbunden, seit wir ihn einmal privat auf seiner einsamen Insel im japanischen Meer besuchen durften. Siehe meinen Reisebericht von 2010: lebong.de/notizen/japan2010-3.htm

Irgendwann später hat mir ein Audiofreund und Blogleser aus Italien diese CD mit dem Titel 'Obscure Tape Music of Japan Vol. 10' zukommen lassen - meine Dankbarkeit ist immer noch groß. Die CD gehört zu meinen musikalischen Schätzen. Es ist eine Aufzeichnung der 'Electronic Symphony No. 1' von Hiroaki Minami. Im CD-Booklet sieht man Hiroaki-San in jungen Jahren inmitten von heute antiquiert wirkenden Gerätschaften. Auf dem Foto erkenne ich im Hintergrund japanische Studio-Bandmaschinen von TEAC und TASCAM, wie ich sie damals als jugendlicher Hifi-Fan auch gern gehabt hätte.


Fotos: Johannes LeBong

Donnerstag, 21. Januar 2016

in memoriam - Pierre Boulez

Vor ein paar Tagen im Januar ist Pierre Boulez gestorben. Mit ihm geht einer der bedeutendsten Komponisten des 20. Jahrhunderts und der letzte einer großen Zeit der Avantgarde, zu denen auch Stockhausen und Cage gehören. Boulez war übrigens Kompositionsschüler von Olivier Messiaen und später Mitbegründer des IRCAM (Institut de Recherche et Coordination Acoustique/Musique) in Paris. 

Selbst habe ich ihn nie direkt erlebt, aber es gibt vielfältige indirekte Bezüge aufgrund meines Faible für Neue Musik. Sein Genie habe ich immer bewundert und so hat mich sein Tod betroffen gemacht.

Uns bleiben zum Glück viele hervorragende Aufnahmen seiner eigenen Werke und von Aufführungen, die er dirigiert hat. Meine kleine Musiksammlung habe ich in diesem Sinne um drei CD's aufgestockt.




Foto: Johannes LeBong

Samstag, 16. Januar 2016

Same procedure as every year

Die Aufführung von Messiaens 'Quartett zum Ende der Zeit' auf dem Gelände des ehemaligen Kriegs-gefangenenlagers Stalag VIII ist einer der konzertanten Höhepunkte im jährlichen Musikkalender von Görlitz/Zgorzelec. Natürlich wär's auf die Dauer zu eintönig, immer dasselbe Ensemble im gleichen Rahmen auftreten zu lassen. So begleiteten heuer zwei Tänzerinnen das Spiel eines recht jungen Orchesters. Für mich nicht gerade die ideale Besetzung, denn mir ist die Musik selbst wichtiger. Ich möchte sie lieber gekonnt gespielt und feierlich erleben ohne visuell davon abgelenkt zu werden. Nächstes Jahr soll übrigens ein Schüler von Messiaen aus Frankreich mit einer Komposition reüssieren, welche er eigens für diesen Ort und diese Gelegenheit schreibt. Darauf sind wir schon sehr gespannt.

Nachtrag 20.01.2016: Eine Konzertkritik in der nmz (neue musikzeitung):
Messiaens „Quartett für das Ende der Zeit" als bildhafte Musik

Foto: Johannes LeBong

Sonntag, 10. Januar 2016

Interessantes - diesertage



Spannend fand ich besonders den gestrigen Vortrag von Scott Perkins über Olivier Messiaens Verhältnis zu Amerika, womit er sich am Rahmen-programm des MEETINGPOINT MUSIC MESSIAEN zum Konzert im Januar beteiligte. Man muss dazu folgendes wissen: Nur fünf Jahre nach der Uraufführung des „Quartetts auf das Ende der Zeit“ vollendete Messiaen seine opulente Turangalila-Sinfonie, die viele ästhetische Einflüsse der US amerikanischen Musik aufnahm, wie sie in den populären Musicals jener Zeit typisch waren.

Ich bin übrigens immer wieder angetan von der besonderen Fähigkeit vieler US-Akademiker, didaktisch ganz hervorragende und gleichzeitig mitreißend unterhaltsame Lectures abzuliefern. Mir hilft die anschauliche Vorlesung von Scott Perkins mich noch mehr mit der großartigen Musik von Olivier Messiaen anzufreunden. In Utah wurde sogar ein Berg nach ihm benannt, der Mount Messiaen.

Der Musiker und Dozent Scott Perkins ist im Rahmen seiner Professur an der DePauw University Indiana mit einer Gruppe von 20 angehenden Musikwissenschaftlern in Europa unterwegs - mit dem Thema “Messiaens Quartett auf das Ende der Zeit”. Die Gruppe wird auch beim Konzert nächsten Freitag dabei sein.



Am Donnerstag wurden gut 30 Gäste von der Kunstakademie Wroclaw in der Galerie Brüderstraße willkommen geheißen. Es sind Studenten und Professoren, die sich ein Semester lang mit dem Thema „Kunst im öffentlichen Raum am Beispiel der Stadt Görlitz“ beschäftigt haben. Als Ergebnis werden zwanzig Projekt- ideen präsentiert. Drei davon werden bald im öffentlichen Stadtraum realisiert werden. 

Welche das sein werden? Das dürfen wir per Stimmzettel mit entscheiden. Es sind nicht wenige Arbeiten dabei, die wir sehr gut gelungen finden.
Am Samstagabend besuchten wir eine Vernissage des Kunstvereins Zittau. Das Künstlerpaar Heinz Ferbert und Erzsébet Fritz-Ferbert zeigten Monotypien, Prägungen, Schrift-Bilder und Raku-Keramik. Mit den einführenden Worten des jungen chinesischen Sprach- und Kalligraphie-Meisters Jian Tan (Ganzhou / Dresden) nahm der Abend eine unerwartet unterhaltsame Wendung. Er trug chinesische Gedichte vor und sang mit lauter Stimme klassische Lieder auf Deutsch und Chinesisch. Durch seine fröhliche Art schaffte er es sogar, das Vernissagen-Publikum zum Mitsingen zu animieren - unglaublich! Wir unterhielten uns sehr gut mit diesem vielseitig talentierten und interessierten chinesischen Master of Arts. Meine Frau hat ja ebenfalls ein Händchen für Kalligraphie seit sie sich in Japan unter meisterlicher Anleitung darin geübt hat.


Fotos: Johannes LeBong

Donnerstag, 7. Januar 2016

Buchempfehlung


Dem Tipp darf ich mich anschließen, nachdem ich das Buch gelesen habe.

Helga Schütz wirft in ihrem Roman 'Sepia' einen poetischen Blick auf die sechziger Jahre der DDR.

Außerdem gefällt mir auch noch das Buch 'Die Jahre im Zoo' von Durs Grünbein, in dem er im Wesentlichen über seine Kindheit in Dresden Hellerau schreibt.


Fotos: Johannes LeBong