Dienstag, 26. April 2016

Im Garten von Beata und Tomasz Domański

Es war eine unserer ersten Exkursionen, die uns weitab in die polnische Landschaft führten, auf den Spuren der Kunst.

Wer hätte gedacht, dass sich südlich von Breslau ein wunderschöner japanischer Garten befindet, in dem als Besonderheit auch noch eindrucksvolle moderne Skulpturen zu sehen sind. Die Anlage ist noch nicht ganz fertig und so wird es wohl noch zwei Jahre dauern, bis dieser Sculpture Space für Publikum zugänglich sein wird. Beata und Tomasz gewährten uns schon einmal einen Preview und wir kamen in den Genuss ihrer herzlichen Gastfreundschaft, nachdem wir uns als Japan- und Kunstfreunde geoutet hatten.  Bei unserem Treffen gab es viel zu erzählen. Das Paar lebt in einem ehemaligen Bauernhaus, das nach seinem gründlichen Umbau ein japanisches Äußeres bekam.

Um diese Jahreszeit steht ihr japanischer Garten noch nicht in voller Blüte. Am Tag unseres Besuchs war es auch recht kühl und windig, doch kam die Bepflanzung schon wunderbar zur Geltung. Nur das Fotolicht hätte noch etwas besser sein können. Wir können dem sympathischen Paar nur Komplimente für ihren einmalig schönen Garten machen!

Durch ein 'Torii' betritt man symbolisch eine andere Welt. In Japan haben wir solche Torii als typische Eingänge zu einem Shinto Shrine schon häufig durchschritten. Später einmal soll dieses klassisch hölzerne Torii durch eine von Tomasz gestaltete Version aus Eisen ersetzt werden.


Hier begaben wir uns auf einen Rundkurs, der immer wieder mit besonderen Pflanzen-Arrangements, steinernen Einfassungen und mit zahlreichen Skulpturen den Blick einfängt. 

Der international erfolgreiche Künstler Tomasz Domański denkt gern groß und visionär. Man muss sich demgemäß seine Skulpturen im Garten als stark verkleinerte Modelle von monumentalen Bauten vorstellen. Oft sind seine Strukturen aus rohen und massiven Eisenteilen gefügt, rostige Schwergewichte auch schon im Kleinen.

Die ringförmige Struktur auf dem Foto ist beispielsweise ein Architekturmodell für eine Ausstellungshalle mit ebenso vielen Abteilungen, wie ein Tag Stunden hat. Jeder Raum hat oben eine Öffnung als Oberlicht, wobei der Lichteinfall im Tagesverlauf variiert.

Auch der Turm auf dem Bild weiter oben bietet visuelle und akustische Sensationen, wenn man ihn betritt. Durch ein kleines Loch an der Turmspitze erzeugt der Wind blubbernde Geräusche und man findet über der Tür eine Klangschale zum Anschlagen. 

Solche kontemplativen Möglichkeiten vermittelt der Garten noch viele, wenn man die Muße dafür hat. Jedes der vielen Objekte erzählt eine eigene Geschichte.

Besondere Pflanzen haben meine Frau näher interessiert. Beispielweise 'polnischer Bambus'. Nebenbei lernten wir noch von Beata wie 'Maulwurf' auf polnisch heißt, nämlich 'kret', der Feind jedes Gärtners.



Fotos: Johannes LeBong       Website von Tomasz Domański: tomaszdomanski.art.pl

Samstag, 23. April 2016

Aufbruchstimmung in der Jakobstraße

Schön, dass es hier noch jede Menge Nischen für hoffnungsvolle junge Pioniere gibt, die in anderen Städten längst überbesetzt sind. Ein Laden für individuelles Interior-Design im Loft Stil, ein Pop-up-store, wo ein Jungdesigner aus Dresden seine Mode präsentiert, eine Factory für stylische Hipster-Bikes aus altem und neuem Material - das alles hat es in Görlitz bisher noch nicht gegeben. Es macht wirklich viel Spaß mitzuerleben, wie sich unser Kiez entwickelt und immer lebenswerter wird. Wir wünschen den jungen UnternehmerInnen viel Glück und Erfolg!


Wenn alles klappt, trage ich bald einen schicken Pulli aus der Kollektion von: keilbein.com


Gestern bei der Eröffnung herrschte bis spät in die Nacht viel Trubel, Musik und gute Laune. Ich muss das dazu schreiben, weil ich diese bunte Szene nicht im Kasten habe.


Fotos: Johannes LeBong

Dienstag, 19. April 2016

Neuzugang in der Hausbibliothek

Auszüge aus diesem packenden Roman hatten wir in der Lesung von Ulrike Draesner während der Literaturtage an der Neisse gehört.

Buch-Rezensionen bei perlentaucher.de










Foto: Johannes LeBong

Montag, 18. April 2016

Studio Neue Musik

Es war das erste Konzert mit Neuer Musik in diesem Jahr, im Salon des Carl-Maria-von-Weber-Museum Dresden.

Diese Veranstaltungen sind für uns immer so kurzweilig wie lehrreich. Die kundige Moderation von Prof. Günther Schwarze hat daran großen Anteil, indem er die Besonderheiten einzelner Werke erklärt und die eine oder andere Anekdote dazu weiß, erleichtert er den Zugang, bevor die Stücke von Studenten der Hochschule gespielt werden.

Den Auftakt bildete gestern Nachmittag ein 'Violasolo' (2009) von Johannes Dittmar, betont rhythmisch mit Jazz-Anklängen. Herrlich temperamentvoll und furios gespielt von Franziska Schwarz  - mitreißend!

Weiter ging es mit Ngoc Vu am Klavier. Er spielte u.a. von György Ligeti die 'Études pour piano' (1988-94) deuxiéme Livre Étude 11: En Suspens - Fingerübungen nicht gerade der leichtesten Art.

Bei dem hoch raffinierten Stück 'Dhun Raga Tilang' (1992) von Peter Feuchtwanger staunte ich nicht schlecht über die Kunststücke, die ein fähiger Pianist mit einem Konzertflügel anstellen kann. Der Klang des Flügels verwandelte sich unter seinen Händen quasi in den eines Santurs oder in den einer Sitar, ganz ohne Präparation des Klaviers, ausschließlich mit genau abgestimmter Finger- und Pedaltechnik. Wie bei der klassischen indischen Aufführungspraxis üblich, zog sich ein Bordun durch das Stück, ein Halteton, der als Begleitung zur Melodie fungiert.

Auch beim nächsten Stück 'Charavgi (1994) von Calliope Tsoupaki für Altblockflöte Solo spielte das Pedal am Flügel eine nicht ganz unwichtige Rolle. Es wurde permanent niedergedrückt und man simulierte damit eine Art Hallraum indem man die Saiten von den Tönen der Flöte akustisch anregen und frei mitschwingen ließ. Das Flötenspiel von Gloria Bartsch war dabei wirklich bezaubernd und virtuos. Es entstand eine Anmutung, die uns an japanische Komponisten und an Shakuhachi-Klänge erinnerte, die japanische Bambusflöte. Das war eine Assoziation, die auch Frau Bartsch selbst hatte, wie sie uns bei einem kurzen Gespräch nach dem Konzert sagte. Es war jedenfalls ein wunderschönes Stück, recht lang und mit erweiterten Spieltechniken, bei denen die Flötistin ihre Stimmbänder einsetzt, wodurch brummende Mischtöne entstehen.

Das folgende Stück von Iannis Xenakis 'Herma' 1967, wäre vielleicht auch für uns als Hörer schwierig gewesen, hätte sich dieser mathematisch orientierte Komponist uns nicht längst über seine Schlagzeugstücke erschlossen. Meine Frau und ich lieben besonders die Stücke Rebonds -A und -B, und wir denken gern noch an unser privates Hauskonzert in Karlsruhe zurück, wo u.a. diese Stücke zur Aufführung kamen. Siehe meine frühere Notiz vom 20. April 2009 dazu, ganz unten auf der folgenden Seite: lebong.de/notizen/notizen38.htm

Gestern in Dresden spielte Yuying Chen Xenakis am Klavier solo - wir waren begeistert! Die Gesamtleitung hatte Prof. Christian Münch.

P.S.: Im Programmkino-Ost, auf der anderen Seite der Elbe gelegen, ließen wir den späteren Abend mit dem Film 'Ein letzter Tango' ausklingen. Der Film porträtiert das legendäre Tango Paar Duo María Nieves und Juan Carlos Copes. Vor der Kamera lassen die beiden ihr Leben Revue passieren von den 40er Jahren bis heute. Der Film spielt in Buenos Aires, das früher mal ein Traumziel von mir gewesen ist. Ich hatte damals den Film 'El sur' gesehen, eine Erzählung des argentinischen Schriftstellers Jorge Luis Borges mit der Filmmusik von Astor Piazzolla, die mich nachhaltig in den Bann zog. In dem neuen Film lässt die Stadt von ihrem alten Charme nur noch wenig erahnen.

Fotos: Johannes LeBong

Lokal-Spezial


Noch in keiner anderen Stadt standen wir so oft vor verschlossenen Türen wie in Görlitz. Auch wenn ein Geschäft oder eine Institution regulär geöffnet haben sollte, kann man sich hier nicht sicher sein. Angaben zu Öffnungszeiten sind scheint's unverbindlich. Dass manche hoffnungsvolle Geschäftsidee unter solchen Umständen floppt, wundert uns nicht.

Da gibt es zum Beispiel schon seit ein paar Monaten eine Galerie für moderne Kunst in der Weberstrasse, wo tatsächlich Bilder von hoher Qualität hängen. Soweit ich weiß, ist's zeitgenössische Malerei von Absolventen der Hochschulen Dresden und Leipzig. Bloß, man bekommt sie nicht zu sehen. Der Raum liegt immer im tiefen Dunkel. Ich gehe oft daran vorbei...

Fotos: Johannes LeBong

Samstag, 9. April 2016

Literaturtage an der Neisse

Das Programm enthielt heuer eine schöne Überraschung für mich. Nicht im Traum hätte ich es mir vorgestellt, die Schriftstellerin Joanna Bator hier in der Gegend live zu erleben. Besonders ihr Roman 'Sandberg' gehört für mich zum absolut Besten was ich in den letzten Jahren gelesen habe. Ein literarisches Meisterwerk hohen Ranges, nicht zuletzt durch die kongeniale Übersetzung von Esther Kinsky. Ich hatte hier schon einmal darüber berichtet: piaskowa-gora

Gestern las Frau Bator zusammen mit Ulrike Draesner, deren Buch 'Sieben Sprünge vom Rand der Welt' meiner Frau gleich so gut gefiel, dass sie es bestellt hat. 

Gesamtprogramm: literaturtage.eu

Frau Draesner war aus Oxford angereist. Moderiert wurde die Lesung von der Kulturjournalistin Sigrid Hoff, die man von ARD, Deutschlandfunk und Deutschlandradio Kultur kennt.

"Beide Autorinnen machen die gemeinsame Geschichte der Polen und Deutschen  zum Thema ihrer Werke. Mit erzählerischer und stilistischer Brillanz nehmen sie ihre Leser mit auf eine Reise durch Räume und Zeiten voller Wider-sprüche und Konflikte. Sie erzählen von Menschen, Zeiten und Orten, die vom Krieg und der Nachkriegszeit, von Vertreibung, Aussiedlung und Neuansiedlung in einer für sie fremden Gegend geprägt wurden."*

Und so war auch das Publikum dieser gut besetzten Lesung im Kulturzentrum-Messiaen zweisprachig gemischt. Joanna Bator, die in Warschau Kulturanthropologie und Philosophie unterrichtete, hat übrigens auch eine Reportagensammlung mit dem Titel 'Japanischer Fächer' verfasst über das moderne Japan, dessen profunde Kennerin sie ist. 

Wie sie uns nach der Lesung erzählte, hat sie leider nicht vor, diese Reportagen ins Deutsche übersetzen zu lassen, da es ihrer Meinung nach schon genug Bücher dieser Art in Deutschland gebe. Bedauerlich für uns, die wir die polnische Originalfassung nicht lesen können.

Jetzt freue ich mich aber schon auf ihre deutsche Neuerscheinung mit dem Titel 'Dunkel, fast Nacht'.


Joanna Bator im 'Die Welt'-Feuilleton: ich-habe-immer-das-Unheimliche-gespuert

Fotos: Andrea + Johannes LeBong
* Excerpt aus dem Einführungstext

Mittwoch, 6. April 2016

Kunst der Nachbarn

Wirkt sich der irritierend nationalkonservative Kurs der PiS Regierung auf die zeitgenössische polnische Kunstszene negativ aus? Wir hoffen das nicht! Besonders zwischen den Städten Breslau und Görlitz, die sich gegenseitig bei ihrer Bewerbung zur europäischen Kulturhauptstadt unterstützt haben, sind im Laufe der Jahre Freundschaften auf politischer und privater Ebene entstanden. 

Einigen prominenten Protagonisten konnte man diesertage in Görlitz begegnen, wo gleich mehrere großartige Ausstellungen von polnischen Künstlern eröffnet wurden. Wir freuen uns sehr über diese kulturelle Belebung und den Austausch.

Ausführlicher Kontext: goerlitzer-art.eu

Nicht auf allen Veranstaltungen habe ich Fotos gemacht und so möchte ich heute nur kurz über die Vernissage der Ausstellung 'Französischer Garten' von Tomasz Domański berichten. Es geht dabei um ein Land-Art-Projekt, das noch seiner Umsetzung harrt und vorläufig lediglich als Maquette in der Galerie Brüderstraße zu besichtigen ist.
Zufällig kennen wir den Ort, für den es entworfen wurde - das alte Schloss Uhyst.

Bildquelle: Wikipedia 

Auf der einen Seite des historischen Gebäudes kann man noch die Reste einer ehemals prächtigen Parkanlage erahnen, die übrigens auch schon künstlerisch bespielt worden war, als wir dort vor zwei Jahren einen Spaziergang machten: 2014_03_01_archive.html#uhyst

Auch auf der anderen Seite des Schlosses ist die romantische Perspektive längst passé. Zwar wird die Blickachse noch von alten Bäumen gerahmt, aber den Horizont markiert ein Braunkohlekraftwerk. Der Kontrast ist wirklich krass! Tomasz Domański möchte an dieser Stelle mit seinen postmodernen Objekten ein visuelles Bindeglied schaffen, indem er klassische formale Motive einer Gartenarchitektur aufgreift.




Wie wir einer Randbemerkung im Begleitheft zur Ausstellung entnehmen, hat der Künstler in einem Dorf unweit von Breslau einen Garten mit Elementen eines japanischen Gartens angelegt und arbeitet an einem Skulpturenpark. Da bietet sich eine kleine Exkursion geradezu an, denn wir lieben ja japanische Gärten, wie die Leser meiner Internetseiten wissen.

Fotos: Johannes LeBong

Freitag, 1. April 2016

Konzert-Impressionen


Heute besuchten wir im MESSIAEN-Kulturzentrum ein Konzert im Rahmen der 'Concerti Pasquali'. Ein Kammermusikfestival dieses Namens findet alljährlich in der historischen Schloss- und Parkanlage im Hirschberger Tal statt.
Ich darf die beiden Musiker noch kurz vorstellen, die uns einen wirklich schönen und angenehmen Abend mit Material von Olivier Messiaen und Schumann geschenkt haben. Sehr gefühlvoll und weich gespielt und die Schumann Lieder mit großartigem Ausdruck gesungen. Wir gingen beglückt und dankbar nach Hause.

Programm
Schumann: Zyklus 'Dichterliebe'. Messiaen: La colombe, Instants défunts, Plainte calme, Rondo. Letzteres sind impressionistische und damit eher gefällige Stücke von Messiaen. Bis auf "Rondo" gehören sie zu den frühen '8 Préludes'.

KAROL KOZŁOWSKI (Tenor) - in den Jahren 2007-2009 war er Solist an der Breslauer Oper. Seit 2009 arbeitet er mit der polnischen Nationaloper in Warschau zusammen. Er beschäftigt sich außerdem viel mit Lyrik.

JUSTYNA SKOCZEK – Pianistin, in den Jahren 2003 – 2012 arbeitete sie als Korrepetitorin und Solomusikerin an der Breslauer Oper. Seit 2002 ist sie an der Musikakademie in Breslau tätig. J. Skoczek nahm an den Vorbereitungen fast aller Premieren der Breslauer Oper teil. 

Fotos: Johannes LeBong